„Wie steht es um die Zukunft unseres Waldes?“ – Waldwanderung mit ehemaligem Forstamtsleiter Christian Schaefer im Wildpark „Alte Fasanerie“

(pm/ea) – Eine Gruppe aus 20 Erwachsenen versammelte sich bei der Mittwochsabendwanderung im Wildpark „Alte Fasanerie“ in Hanau um den inzwischen pensionierten Forstamtsleiter Christian Schaefer. Sie alle trieb die Sorge um den Zustand unseres Waldes zum gemeinsamen Spaziergang mit dem Waldfachmann.

Wie krank sind unsere einheimischen Bäume wirklich? Ist unser Wald überhaupt noch zu retten?, lauteten die Fragen, die Schaefer während der zweistündigen Tour in den Fokus stellte. „Ja, er ist zu retten, aber er wird anders aussehen und muss anders zusammengesetzt sein als der Wald, den wir alle kennen“, so Schaefers kurze Prognose zu Beginn der Wanderung. Verursacht durch den Klimawandel erleben wir derzeit eine rasante Veränderung in unserem grünen Lieblingsökosystem. Eine Entwicklung, die sich auch am alten Baumbestand des Wildparks deutlich abzeichnet und selbst Laien nicht verborgen bleibt. Am schnellsten sterben dort zurzeit alte Rotbuchen und Waldkiefern. Wie Mahnmale stehen die abgeschnittenen Stammstümpfe entlang der Wege. Um die Sicherheit der Besucher zu gewährleisten, finden hier regelmäßig kostspielige Fällungen mit Spezialgeräten statt.

Es ist die Zeit der Spechte. Ihre rasanten Trommelschläge und markante Rufe ertönen aus allen Ecken des weiträumigen Wildparkgeländes. Die Vögel finden reichlich Nahrung in den Käfern und deren Larven, die den alten Baumriesen so zusetzen. Neben vielen Schmetterlingsraupen und Maikäfern gehören Pracht-, Borken- und Bockkäferarten zu den Insekten, die von zunehmenden Durchschnittstemperaturen profitieren und auch davon, dass die Immunabwehr der Bäume bei Wassermangel deutlich herabgesetzt ist. „Die größte Hoffnung ruht derzeit auf den Eichenarten“, so Schaefer beim gemeinsamen Rundgang. Sie scheinen die extremen Trockenjahre noch am besten überwunden zu haben. Aber auch ihre Kronen tragen oftmals weniger Laub, und viele Eichenstämme zeigen krankhaften Schleimfluss. Neben den Insekten finden immer mehr pathogene Pilze und Bakterienarten – teilweise eingeschleppt aus aller Welt – Eingang in unsere Wälder. Die geschwächten Bäume bieten ihnen ausreichend Brutmaterial und Nahrung. Selbst ausgesprochen regenreiche Phasen können die Vitalitätsverluste bei den alten Bäumen nicht mehr ausgleichen. Sie bleiben irreversibel geschädigt und sterben mehr oder weniger langsam vor unseren Augen.

Schnell stellt sich bei den Teilnehmenden die Frage nach ausländischen Baumarten wie Atlaszeder, Flaumeiche, Orientbuche. – Alles Arten, die aus südlichen Regionen stammen und an Wassermangel und Trockenheit angepasst sein müssten. „Bei Anbauversuchen nehme das Forstpersonal die fremdländischen Baumarten ganz genau unter die Lupe, teste beispielsweise ihre Anfälligkeit gegenüber Spätfrösten, ihre Praxistauglichkeit und Angepasstheit für unsere sich verändernden Breiten“, so der pensionierte Forstamtsleiter. Einige trockenheitsertragende Baumarten wie die Roteiche und die Robinie aus Nordamerika oder die Edelkastanie aus der Balkanregion haben sich bereits seit längerer Zeit hier bewährt. Wirklich klimastabile Wälder lassen sich nach Aussage Schaefers jedoch nur auf der Grundlage struktur- und artenreicher Baummischungen erzielen. In Mischwäldern können Löcher und Lücken, die durch Extremwetterlagen und Stürme entstehen, durch robustere Arten schneller kompensiert und wiederbesetzt werden. „Die Waldbesitzer sowie Försterinnen und Förster in Deutschland erwartet noch sehr viel harte, aufwändige Arbeit“, so Schaefer. Er blicke aber optimistisch in die Zukunft, auch unter der Voraussetzung, dass wir alle dazu bereit seien, unser altes Waldbild etwas zu überholen. Dazu gehören nicht nur neue Baumarten. Wir müssen uns wahrscheinlich auch damit abfinden, dass unsere Waldbäume nicht mehr generell und überall so alt werden können. Zwar blieben auch hier vitale und einzelne Baumriesen als wichtige Habitatbäume, ebenso wie ungenutzte Waldflächen für den Natur- und Artenschutz übrig, doch Holzernte- und Waldpflegeeingriffe – immer noch weit unterhalb der Holzzuwachsgrenzen – können stabilere Strukturen unterstützen. Wer mit dem Wald naturnah wirtschafte, müsse außerdem in langen Zeiträumen denken und planen. So geben erste Erkenntnisse aus dem Bereich der Forstgenetik Hoffnung, dass unsere einheimischen Waldbäume während der Blühphasen in Dürrezeiten Früchte erzeugen könnten, die genetisch besser an Trockenheit angepasst sind.

Nach diesem informativen Spaziergang mit dem erfahrenen Waldfachmann blicken 20 Menschen, deren Interesse und auch Sorge dem heimischen Wald vor ihrer Haustür gilt, optimistischer in die Zukunft ihres grünen Lieblingsökosystems.

Fotos: Hessen-Forst

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