Erfolgreicher Vortragsabend des Fördervereins Stadtbücherei Erlensee: Hochinteressante Informationen über „Künstler im Nationalsozialismus“

(pm/ea) – Dem Referenten des Abends, dem früheren Kulturredakteur des Hessischen Rundfunks, Hans Sarkowicz ist es gelungen, mit seiner biographischen Darstellung verschiedener Künstler aus unterschiedlichen Sparten während der NS-Zeit, die vorhandenen Sitzplätze in der Erlenseer Bibliothek bis zum letzten Platz zu füllen.

Dies war umso nachhaltiger, da er zu vielen Schauspielern und Literaten, aber auch NS-Größen, Original- Tonbeispiele aus Radio-Aufnahmen der 30er und 40er Jahre vorspielte. Josef Goebbels nutzte geschickt und maliziös das neue Medium Radio, das damalige Lieblingsinstrument der Deutschen, den Volksempfänger, um seine psychologisch raffinierte Propaganda im Kunst- und Kulturbereich geschickt „unters Volk“ zu bringen.

Viele Schauspieler wie Heinz Rühmann, der sich dem Regime andiente, ohne Parteimitglied zu sein, profitierten finanziell in hohem Maße von ihrer Schauspielkunst. Erstaunlich ist, dass Rühmann nach der Schreckensherrschaft der Nazis in der Gesellschaft der jungen Bundesrepublik in nahtlosem Übergang sich ebenso in die Herzen der Menschen spielte wie unter Hitler. Der heute noch gern gesehene Kinofilm „Die Feuerzangenbowle“ entstand mit Goebbels Segen während des Krieges 1944. Über weitere Filmschauspieler und –spielerinnen mit bekanntem Namen und ihren Erfolgen während und nach der Diktatur informierte Sarcowicz die gebannt lauschenden Gäste.

Als Beispiel einer „doppelten“ Existenz beschrieb er den Lebenslauf des bekannten Schriftstellers Erich Kästner, selbst kein bekennender Nationalsozialist, der neben vielen „Blut-und- Boden-Dichtern“ nicht ins Ausland floh wie die meistern angesehenen Literaten und Wissenschaftler. Obwohl auch seine Werke bei der Bücherverbrennung durch Studenten im Mai 1933 den Flammen zum Opfer fielen, waren viele seiner Bücher, vor allem auch seine Kinderbücher, auf dem Markt erhältlich. Bevor er jedoch absolutes Schreibverbot durch Hitler persönlich erhielt, schrieb er unter falschen Namen weitere Romane und Drehbücher, u.a. für den berühmten Film „Münchhausen“, von Goebbels selbst vorgeschlagen

Das schlimme Beispiel einer gespaltenen, aber im Gegensatz zu Kästner schuldigen Existenz, ist dagegen der Dichter Gottfried Benn. Selbst Arzt, sprach er sich aus wirtschaftlichen Gründen für das grausame Euthanasie-Programm der Nazis aus, bis zu Hunderttausende körperlich behinderte und geistesgestörte Mitmenschen umzubringen. Er begrüßte begeistert Hitlers Machtübernahme über den Volksempfänger und unterschrieb ein „Gelöbnis treuester Gefolgschaft“. 1938 wurde er aus der Reichsschrifttumskammer ausgeschlossen und durfte nicht mehr publizieren, weil seine Gedichte nicht mehr in die favorisierte NS-Lyrik passten. Nach dem Krieg veröffentlichte er weiter und erhielt sogar 1951 die höchste deutsche literarische Auszeichnung, den Georg-Büchner-Preis. Darüber gerieten doch viele Zuhörer beim Nachhauseweg ins Nachdenken.

Fotos: PM

 

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