„240 Meter lang und 6 Meter tief“: Hanau Netz bohrt Tunnel unter dem Hauptbahnhof

(pm/ea) – „Diese unterirdische Leitung ist eine überragende Leistung. Unsere Hanau Netz GmbH hat einen außergewöhnlichen Tunnel gebaut, während sechs Meter darüber der Bahnverkehr reibungslos funktionierte“, lobt Hanaus Oberbürgermeister Claus Kaminsky die Arbeiten an der neuesten Stromtrasse in Hessens kleinster Großstadt.

Die Hanau Netz GmbH (HNG), Tochterunternehmen der Stadtwerke Hanau GmbH, baut und betreibt in Hanau das Strom-, Gas- und Trinkwassernetz und das Gasversorgungsnetz in Großkrotzenburg. „Diese neue, 2,5 Kilometer lange Stromtrasse zwischen dem Umspannwerk Hanau Ost im Kinzigheimer Weg und dem Industrieweg auf der anderen Seite der Bahngleise ist sicherlich unser außergewöhnlichstes Bauprojekt, denn genau 241,36 Meter der Stromtrasse haben wir unterhalb der Gleisanlage in sechs Metern Tiefe verlegt“, sagt Hanau Netz-Geschäftsführer Adrian Szabo, nachdem nun der so genannte Durchstich – das Aufeinandertreffen der beiden Tunnelenden – erfolgte.

Zu den Superlativen zählt auch die Geschwindigkeit, mit der das Projekt umgesetzt wird. Vom ersten Projektaufschlag über Erstellung der nötigen Gutachten, Probebohrungen bis zur Erteilung der Freigabe durch die Bahn und zuständigen Behörden sind gerade mal fünfzehn Monate vergangen. „Für ein Projekt dieser Komplexität und Größe in Kombination mit der Deutschen Bahn setzen wir die Deutschland-Geschwindigkeit in Hanau praktisch um“, so der HNG-Aufsichtsratsvorsitzender Claus Kaminsky. „Teil des Erfolgs ist auch die enge Abstimmung mit dem städtischen Eigenbetrieb Hanau Infrastruktur Service, so dass der enge Zeitplan der Hanau Netz gut in das Maßnahmenpaket um den geplanten Neubau der Hauptbahnhofbrücke integriert werden konnte“, ergänzt Stadträtin Isabelle Hemsley.

Die Tunnelarbeiten starteten dann im vergangenen Oktober zeitgleich am Holzverladegleis an der Daimlerstraße und an der Rodgaustraße. Dazu wurden zunächst die notwendigen Start- und Zielgruben errichtet. Weil in der Startgrube an der Daimlerstraße die komplette Technik verbaut wurde, hat sie einen Durchmesser von elf Metern, während der Durchschnitt der Zielgrube acht Meter beträgt.

Die anschließende Querung erfolgte mittels unterirdischem Rohrvortriebsverfahren. Dabei handelt es sich um eine geschlossene Bauweise, bei der nach der Bohrung der beiden Gruben mit einer Tunnelbohrmaschine vorgefertigte Stahlbetonrohre von der Startgrube in Richtung Zielgrube vorgeschoben wurden. Gleichzeitig wurde das überschüssige Bodenmaterial abgebaut und zu Tage gefördert.

Mitte Januar wurde die 40 Tonnen schwere und zehn Meter lange Tunnelbohrmaschine in drei Teilen von Schwerlasttransportern angeliefert und mit einem Autokran in die Grube hinuntergelassen. Das Schneiderad mit zwei Metern Durchmesser bohrte sich dann Tag und Nacht ununterbrochen durchs Erdreich.

Fehlt an keiner Tunnelbaustelle: Die Heilige Barbara, Schutzpatronin der Bergleute, wachte auch in Hanau über die Arbeiten. Mitgebracht von den Bauexperten.

„Die Bauexperten haben nicht nur ihre Spezialgeräte dabei, sondern brachten auch die Schutzpatronin der Bergleute, die Heilige Barbara, mit. Nach neun Tagen ist der Durchbruch nun geschafft – auf den Millimeter genau“, sagt Adrian Szabo. Während der Bauarbeiten wurden Bauarbeiten und Gleisanlage permanent überwacht. „Der Bahnbetrieb lief ja weiter“, so Szabo.
„Für die Bahnquerung wurden mehr als 2.000 Kubikmeter Bodenmaterial ans Tageslicht gefördert. Es besteht überwiegend aus Sand und Kies mit steinigen Anteilen. Das wird teilweise für die spätere Verfüllung der Start- und Zielgruben wiederverwendet“, gibt Fachplaner Thomas Rübmann von der Hanau Netz GmbH einen Einblick ins Hanauer Erdreich der Bauarbeiten.
Insgesamt wurden 69 vorgefertigte Stahlbetonrohre mit einer Länge von je 3,5 Metern und einem Innendurchmesser von 1,6 Metern von der Startgrube in Richtung Zielgrube vorgeschoben. Im nächsten Schritt werden darin nun Kabelschutzrohre verlegt, in die dann die Starkstromkabel eingezogen werden. Anschließend werden Tunnel, Start- und Zielgruben mit dem zu Tage geförderten Material wieder verfüllt. Diese Arbeiten sollen bis zum Juni beendet sein. Dann kann auch die Sperrung der Rodgaustraße aufgehoben werden.

Die gesamte Schutzrohrtrasse vom Umspannwerk bis zum im Bau befindlichen Rechenzentrum ist bereits zur Hälfte der Strecke verlegt, etwa im Alten Auheimer Weg, dem Industrieweg und in der Rodgaustraße.

 

Fotos: Stadt Hanau / Moritz Göbel

 

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