Einmalige Eiszeitzeugen entdeckt – Baugrube eröffnet sensationellen Blick auf typische Phänomene eiszeitlicher Klimaverhältnisse

(pm/ea) – Der Erlenseer Geomorphologe Günter Seidenschwann, der sich seit mehr als vier Jahrzehnten mit der eiszeitlichen Landschaftsgeschichte unseres Raumes beschäftigt, war begeistert, als in einer größeren Baugrube im westlichen Main-Kinzig-Kreis unerwartet Phänomene besonderer eiszeitlicher Formungsvorgänge aufgeschlossen waren.

Die für unsere Gegend einzigartigen Objekte wurden nicht nur fotografisch dokumentiert, sondern in Form von sogenannten Lackprofilen für Ausstellungszwecke der Wetterauischen Gesellschaft in Hanau gesichert. Zwei dieser Stellen, die für die Herstellung von Lackabzügen Verwendung fanden, werden hier kurz vorgestellt.

Das Titelfoto zeigt einen Ausschnitt aus sandig-lehmigen Sedimenten mit vereinzelt darin enthaltenen Kiesen. Als Maßstab zur Orientierung dient der 44 cm lange Klappspatenstiel. Die Schichten wurden in der vorletzten Eiszeit über einem Schotterbett aus der drittletzten Kaltzeit abgelagert. Die ehemals horizontal geschichteten, bei Hochwässern entstandenen Ablagerungen sind eigentümlich verformt. Es handelt es sich in diesem Fall um einen sogenannten Tropfenboden, was besonders deutlich im unteren Teil zu erkennen ist. Dort sind dunklere lehmige Lagen in die helleren Sande tropfenartig eingesackt. Dieser Sachverhalt wird in der Eiszeitforschung auf tiefgründiges Auftauen ehemals bis an die Oberfläche gefrorenen Bodens (sogenannter Permafrost) zurückgeführt. Da die lehmigen Lagen bei diesem Vorgang bindiger als die Sande sind und mehr Wasser enthalten können, sind sie schwerer und sinken in die lockeren Sande ein.

Das Klima hat sich nach der Entstehung des Tropfenbodens anschließend verschlechtert; es wurde wieder kälter, und es herrschten Klimaverhältnisse mit Dauerfrostboden (Permafrost). Der Klimazeuge dafür findet sich links neben dem Spatenstiel in der bräunlichen keilartigen Struktur. Dabei handelt es sich um die Füllung eines sogenannten Eiskeils, einer für Gebiete mit Permafrost typischen Frostbodenform. Die keilartige Form entsteht durch mehrmalige Gefrier- und Auftauvorgänge, wobei Temperaturen von einem Jahresdurchschnitt von unter -10° Celsius angenommen werden.

Das obige Foto zeigt ebenfalls eine Partie aus den gleichen Schichten, wie im tieferen Teil mit der Tropfenbodenform in den Sanden zu erkennen ist. Im Unterschied zum Titelfoto fallen hier die hellen Partien auf. Sie sind für den Laien nicht leicht zu verstehen, belegen aber ebenfalls eine typische Klimaperiode. Die hellen Farben (Bleichung) kennzeichnen einen Horizont eines typischen Bodens der Tundra, der in der Bodenkunde als Tundragley bezeichnet wird. Die Bleichung entsteht unter Dauerfrostbodenverhältnissen, bei denen nur im kurzen eiszeitlichen Sommer der Boden auftaut (Auftauboden), während der Untergrund ganzjährig gefroren bleibt. So zeigt dieser Tundrenboden ebenfalls sehr kalte Klimaverhältnisse an wie der (später nach dem Austauen gefüllte) Eiskeil.

Fotos: Günter Seidenschwann

 

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