Verfügung des Main-Kinzig-Kreises: Keine Veranstaltungen in geschlossenen Räumen mit mehr als 300 Teilnehmern

(pm/ea) – Ab Samstag, 14. März, sind im Main-Kinzig-Kreis alle Veranstaltungen in geschlossenen Räumen ab 300 Personen und Freiluftveranstaltungen ab 1.000 Personen abzusagen.

Der Main-Kinzig-Kreis hat neun neue laborbestätigte Fälle von Coronavirus-Erkrankten. Das Gesundheitsamt hat für sie wie auch für die jeweiligen Kontaktpersonen umgehend eine häusliche Isolierung angeordnet. Es handelt sich um zwei Frauen und zwei Männer aus Rodenbach, jeweils Jahrgang 1970, für die eine gemeinsame Infektionskette plausibel anzunehmen ist. Darüber hinaus haben sich ein Mann aus Freigericht (Jahrgang 1958), eine Frau aus Birstein, eine Frau aus Bad Soden-Salmünster (je Jahrgang 1971), ein Mann aus Gründau (Jahrgang 1982) und eine Frau aus Wächtersbach (Jahrgang 1982) angesteckt.

Die Fälle verbindet nach den ersten Erkenntnissen des Gesundheitsamts, dass sie sich mit hoher Wahrscheinlichkeit in Ski-Gebieten oder bei Rückkehrern aus alpinen Wintersportregionen angesteckt haben. Weitere Fälle befinden sich derzeit in der Abklärung, mit einer Steigerung der Fallzahlen bis zum Wochenende ist zu rechnen.

Das Gesundheitsamt hat sämtliche bestätigten Fälle umgehend häuslich isoliert, ebenso die Personen, mit denen sie in den vergangenen Tagen näheren Kontakt hatten. Vorsichtshalber hat das Gesundheitsamt auch für die Kontaktpersonen bis zur Übermittlung der Laborergebnisse häusliche Isolierung angeordnet. Weder für sie noch für Personen aus ihrem Umfeld ist mit dieser häuslichen Isolierung jedoch schon eine bestimmte Diagnostik verbunden.

Der Main-Kinzig-Kreis hat nun eine Reihe von Maßnahmen verfügt, um einerseits die weitere Verbreitung über die neun Erkrankten einzudämmen, andererseits die Bürgerinnen und Bürger zu schützen.

Vor dem Hintergrund dieser neuen Entwicklungen im Main-Kinzig-Kreis, aber auch mit Blick auf die Entscheidung der WHO, die aktuelle Lage zur Pandemie zu erklären sowie dem deutlichen Anstieg der bestätigten Fälle in Deutschland, Hessen und dem Landkreis, hat der Main-Kinzig-Kreis jetzt entschieden, dass ab Samstag, 14. März, alle Veranstaltungen in geschlossenen Räumen ab 300 Personen und Freiluftveranstaltungen ab 1.000 Personen abzusagen sind.

Dieses Vorgehen ist nach Einschätzung der Kreisspitze und der Fachleute im Lenkungsstab des Main-Kinzig-Kreises notwendig, um die Ausbreitung der Erkrankung zu verlangsamen und mögliche Ansteckungswege nachvollziehen zu können. Zudem soll eine Überlastung des Gesundheitssystems verhindert werden. Diese verbindliche Verfügung des Landrates, die ab Freitag (13. März) in Kraft gesetzt wird, basiert auf der aktuellen Anordnung des Hessischen Sozialministeriums, Großveranstaltung ab 1.000 Personen zu verbieten. Sie gilt ebenfalls zunächst bis zum 10. April.

Wie Erste Kreisbeigeordnete und Gesundheitsdezernentin Susanne Simmler und Landrat Thorsten erläutern, sei jedoch für die Gesundheitsbehörden bei Veranstaltungen dieser Größenordnung eine zuverlässige Ermittlung von Kontaktpersonen völlig ausgeschlossen. Die jetzt gewählte Anzahl von 300 Personen sei die maximale Größenordnung, die in dieser Situation seuchenhygienisch überhaupt noch zu bearbeiten sei. Zudem werde damit die heterogene Struktur der Städte und Gemeinden im Main-Kinzig-Kreis bestmöglich berücksichtigt. „Dies ist aus unserer Sicht eine angemessene und nachvollziehbare Reaktion auf die dynamische Entwicklung. Es muss uns nun darum gehen, eine weitere Ausbreitung zu verlangsamen und mit Besonnenheit und Ruhe die besten Entscheidungen zu treffen“, erläutert Gesundheitsdezernentin Susanne Simmler.

Für kleinere Veranstaltungen mit weniger als 300 Gästen gilt in Absprache mit den Gesundheitsexperten zudem die Empfehlung, eine Absage oder Verschiebung im Einzelfall zu prüfen. Hier könnten als weitere Kriterien der Charakter der Veranstaltung sowie die Zusammensetzung des Publikums herangezogen werden. Kritisch zu bewerten sind dabei Zusammenkünfte mit überwiegend älteren Menschen oder Personen mit Vorerkrankungen, da diese bei einer Erkrankung mit dem Corona-Virus besonders gefährdet seien. Der Main-Kinzig-Kreis wird daher unter anderem seine Veranstaltungen „Musik hilft“ und „Treffpunkt Alter“ aufgrund der veränderten Situation kurzfristig absagen. Das Spendenkonto zu „Musik hilft“ bleibt jedoch aktiv.

„Ein vorrangiges Ziel muss es sein, die Risikogruppen vor einer Ansteckung und den entsprechenden Folgen zu schützen“, sagen Thorsten Stolz, Susanne Simmler und Winfried Ottmann. Insgesamt sei die Ausbreitung des Coronavirus auch im Main-Kinzig-Kreis nicht völlig aufzuhalten, aber die bestmögliche medizinische Versorgung soll in diesem Fall sichergestellt sein. Noch am Donnerstagabend wurden alle Bürgermeister im Main-Kinzig-Kreis im Rahmen einer Dienstversammlung persönlich über diese Entscheidung informiert.

Für die Kreisspitze ist die Verfügung unter den aktuellen Umständen ein sachgerechter Weg, um das öffentliche Leben nicht völlig zu stoppen. „Ein Teil der Öffentlichkeit erwartet Aktionismus. Wir haben unsere Entscheidung jedoch sehr genau abgewogen. Es ist nicht unsere Aufgabe, Erwartungshaltungen auch aktionistisch zu erfüllen. Wir spüren jedoch eine wachsende Verunsicherung und das Bedürfnis nach einer klaren Regelung“, erläutern Simmler und Stolz die vorbeugende Maßnahme.

Die Kreisspitze betont ausdrücklich, dass Schulen, Bildungseinrichtungen und auch Betriebe mit mehr als 300 Personen von dieser Verfügung nicht betroffen sind. „Hier haben wir eine ganz andere räumliche und personelle Struktur mit klarer Zuordnung und Nachvollziehbarkeit“, erläutern Thorsten Stolz, Susanne Simmler und Winfried Ottmann. Die Situation werde jeden Tag sehr differenziert bewertet und die Handlungsempfehlungen jeweils entsprechend angepasst.

Beim Umgang mit dem Coronavirus gilt weiterhin die Strategie der Absonderung und Eingrenzung. Trotz des Anstiegs der Infektionen im Main-Kinzig-Kreis seien die Umstände und Kontakte derzeit noch nachvollziehbar und bestätige die bisherige Strategie des Gesundheitsamtes. „Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter arbeiten und zeitaufwändig daran, die Infektionsketten nachzuverfolgen“, berichtet Gesundheitsdezernentin Susanne Simmler.

Unabhängig von der aktuellen Situation verweisen die Fachleute erneut auf Hygienemaßnahmen oder andere Vorkehrungen, um gleichzeitig die Übertragung der auch im Main-Kinzig-Kreis grassierenden Virusgrippe zu vermindern. Vor allem das regelmäßige Händewaschen mit Wasser und Seife ist ein wirksames Mittel zur Vorbeugung. Eine besondere Desinfektion ist nicht sinnvoll. Außerdem sollte der enge Kontakt zu Personen mit Erkältungskrankheiten vermieden werden. Auch gut durchlüftete Räume senken das Ansteckungsrisiko. Außerdem bittet die Kreisspitze weiterhin darum, umsichtig, überlegt und ruhig mit der Situation umzugehen. Aus dem Gesundheitsamt heißt es, dass alle positiv getesteten Personen einen milden Krankheitsverlauf zeigen. Dies bestätige die Einschätzung des Robert-Koch-Institutes, dass vier von fünf Personen bei einer Erkrankung nur milde Symptome zeigen.

Fragen rund um den Umgang mit Verdachtsfällen oder zum Coronavirus allgemein liefert das Robert-Koch-Institut auf seiner Homepage www.rki.de. Darüber hinaus gibt es eine Hotline des Landes Hessen, die täglich von 8 bis 20 Uhr unter 0800-5554666 erreichbar ist. Das Bürgertelefon des Main-Kinzig-Kreises ist von montags bis donnerstags von 9 bis 18 Uhr sowie freitags bis sonntags von 9 bis 15 Uhr unter 06051-8510000 weiterhin geschaltet.

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