Sylvia Braun, zukünftige Bürgermeisterin der Stadt Bruchköbel, im Erlensee Aktuell-Interview

(ms/ea) – Am 31. März wird Sylvia Braun die Amtsgeschäfte von Günter Maibach übernehmen und dann die erste Bürgermeisterin der Stadt Bruchköbel sein. Im Erlensee Aktuell-Interview erzählt sie, wie sie ihr Amt ausüben möchte und welche Schwerpunkte sie sich gesetzt hat.

Mit dem sehr deutlichen Wahlausgang haben Ihnen die Bruchköbeler Bürgerinnen und Bürger ein großes Vertrauen geschenkt, was auch mit einer gewissen Erwartungshaltung einhergeht. Daher gleich am Anfang die Frage: Welche Schwerpunkte haben Sie sich zu Beginn Ihrer Amtszeit gesetzt und was haben Sie sich generell bezüglich Ihrer Amtsführung vorgenommen?

Die großen Themen habe ich ja bereits im Wahlkampf benannt. Da geht es zum einen um die Modernisierung der Verwaltung, wir müssen unbedingt weiter das Thema Digitalisierung angehen. Und natürlich erbe ich ein Großprojekt mit dem Umbau der Innenstadt. Hier gilt es jetzt, sich in das Projekt reinzuhängen und die richtigen Schwerpunkte zu setzen.

Außerdem möchte ich in engeren Dialog mit den Bürgerinnen und Bürgern eintreten, besonders auch in den Stadtteilen, denn viele fühlen sich durch den Focus auf den Stadtumbau in der Innenstadt „abgehängt“. Dazu möchte ich regelmäßig in jedem Stadtteil einen Dialogabend veranstalten. Zusätzlich beabsichtige ich, regelmäßige Sprechstunden im Bürgerbüro anzubieten, so lange die Verwaltung im Interimsrathaus in Erlensee untergebracht ist. Denn trotz der auch durch soziale Medien ermöglichten Gelegenheiten zur Kontaktaufnahme halte ich den persönlichen Kontakt und das persönliche Gespräch für sehr wichtig.

Ein weiteres Thema ist die demographische Entwicklung in unserer Stadt. Bruchköbel ist die letzten Jahrzehnte immer auf einem Entwicklungstand stehen geblieben. Hier sehe ich Potential bei der Entwicklung von Baugebieten, z.B. durch eine Verlegung des Bauhofs, aber auch die Ausnutzung von weiteren vorhandenen Flächen. Dabei werde ich natürlich behutsam die Entwicklung angehen, um so auch die unbedingt notwendige Akzeptanz für diese Zukunftsprojekte zu bekommen.

Und natürlich werde ich mich dem individuellen Sicherheitsempfinden der Bürgerinnen und Bürger annehmen und mit fachlichem Blickwinkel als langjährige Polizeibeamtin für Verbesserungen sorgen.

Im Stadtparlament hat ihre Partei keine Mehrheit. Wie wollen sie damit umgehen?

Zunächst ist festzuhalten, dass der Magistrat ein Kollegialorgan ist, hier sind zukünftig unterschiedliche Konstellationen möglich und dies gibt mir einiges an Gestaltungsmöglichkeiten. Im Parlament setze ich weiterhin auf den Dialog mit allen Fraktionen für sachbezogene Mehrheiten all jener, die an gemeinsamen Lösungen für unsere Stadt und ihre Bürger interessiert sind.

Sie werden in Kürze auch die erste Bürgermeisterin auf Erlenseer Gemarkung sein, da sich Ihr Amtssitz im Interimsrathaus der Stadt Bruchköbel im Fliegerhorst befindet. Unabhängig davon haben Sie aber auch als stellvertretende Vorsitzende des Zweckverbands Fliegerhorst mit Erlensee gemeinsame Entscheidungen zu treffen. Wie bewerten Sie die Entwicklung des Fliegerhorstes?

Ich denke, der Zweckverband Fliegerhorst hat sich bisher gut entwickelt und hat noch weiteres Potential. Das gilt für das bisher Erreichte als auch für die noch zu erwartenden Entwicklungen. Die Zusammenarbeit im Zweckverband empfinde ich als gut und kann für mich auch Modell einer weiteren engeren Zusammenarbeit zwischen den Kommunen sein. Ich bin grundsätzlich ein großer Fan interkommunaler Zusammenarbeit und dies dann auch auf anderen Gebieten.

Auch das Interimsrathaus auf dem Gelände des Fliegerhorts ist für uns eine sehr gute Lösung. Bis zur Fertigstellung unseres neuen Stadthauses in der Bruchköbeler Innenstadt freue ich mich, ab und an auch mal mit dem Fahrrad nach Erlensee zum ehemaligen Fliegerhorst zu fahren.

Der Innenstadtumbau in Bruchköbel ist nach wie vor ein großes Thema. Sind Sie mit den Planungen zufrieden und wo sehen Sie hier Gestaltungsmöglichkeiten?

Vorausschickend muss ich feststellen, dass ich kein Befürworter der jetzt umgesetzten Variante war, da die Kosten dafür aus dem Ruder gelaufen sind. Aber ich werde mich jetzt mit meiner ganzen Kraft dafür einsetzen, dass das Projekt so gut wie möglich umgesetzt wird und die Kosten im Rahmen bleiben. Das wird allerdings auch in der Verwaltung viel Arbeitskraft binden.

Gestaltungsmöglichkeiten sind natürlich da, beispielsweise ist auf dem Grundstück des bestehenden Bürgerhauses das Los 3 der zukünftigen Bebauung noch zu vergeben. Außerdem haben wir immer noch kein Tiefgaragenkonzept. Auch in der Übergangssituation müssen wir jetzt schauen, wie sich die Situation entwickelt und ggf. nachsteuern. Ich sehe im übrigen durchaus noch Potential für weitere Parkmöglichkeiten in der Innenstadt, hier sind kreative Konzepte und Ideen gefragt, damit wir für unsere Gewerbetreibenden und im Zentrum die Beeinträchtigung in einem erträglichen Maß halten.

Über die Feuerwehr wurde zuletzt in der Presse über Unstimmigkeiten berichtet. Wie bewerten Sie die Lage?

Ich finde es persönlich sehr schade, dass im Wahlkampf hier einiges an Porzellan zerschlagen wurde, aber dies lässt auf schon längere Zeit vorhandene Unstimmigkeiten schließen. Nach meinem Eindruck ist hier mangelnde Kommunikation mit ursächlich. Für mich ist es deswegen sehr wichtig, viele Gespräche zu führen, damit ich mir selbst ein objektives Bild machen und schließlich wieder Eintracht in die Feuerwehrabteilungen bringen kann. Ehrenamt sollte schließlich auch Spaß machen und nicht zu Verdruss führen.

Um mich zusätzlich optimal auch auf diesen Teil meines Jobs vorzubereiten, werde ich auf jeden Fall an der Feuerwehrschule in Kassel den Feuerwehr-Lehrgang absolvieren.

Beim Thema Sicherheit bringen Sie durch Ihren Beruf als Polizeibeamtin eine hohe Kompetenz mit. Wie ist es in Bruchköbel bei diesem Thema bestellt, Stichworte Sicherheitsinitiative Kompass, Freiwilliger Polizeidienst?

Kompass wird aufgrund meiner Initiative kommen. Einige Kommune haben bereits gute Erfahrungen damit gemacht und eine engere Verzahnung mit der Polizei wird uns bei unterschiedlichen Themen nützlich sein. Der Freiwillige Polizeidienst ist für mich aus meiner bisherigen beruflichen Erfahrung heraus allerdings weiter kein Thema, es sei denn, eine Mehrheit im Parlament würde für die Wiedereinführung stimmen.

Ich sehe eher den Weg, die Ordnungspolizei personell zu verstärken und die Zusammenarbeit mit den Beamten unseres Polizeipostens zu intensivieren.

Thema Stadtwald: Hier sorgte vor kurzem die Entscheidung des Parlaments, die Holz-Bewirtschaftung durch HessenForst zu beenden, für einige Schlagzeilen. Wie stehen Sie dazu?

Ich bin bei diesem Thema relativ emotionslos und stehe der aktuellen Herangehensweise offen gegenüber. Es ist für mich ein Konzept, das man ausprobieren sollte, also insgesamt kein Aufregerthema. Im Parlament wurde es vor Jahren schon so vereinbart, daran sollten wir uns auch halten. Ich stehe hier für Verlässlichkeit, Beschlüsse müssen auch umgesetzt werden.

Gibt es ein besonderes Motto, mit dem Sie Ihre Amtszeit überschreiben würden?

Insgesamt will ich bei sämtlichen Themen weg von parteipolitischem Kleinklein und ideologischem Denken, wir sind ja nicht in Berlin oder Wiesbaden. Ich möchte mit allen Verantwortlichen das Beste für die Stadt und die Bürgerinnen und Bürger erreichen, denn dieser Wunsch sollte uns alle zusammen einen.

Vielen Dank für das Gespräch.

(Die Fragen stellte Markus Sommerfeld)

Foto: Privat

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