Bürgermeisterkandidatin Carmen Merz spricht sich vehement gegen das Lidl-Zentrallager aus und warnt vor den Folgen

(pm/ea) – In einer Pressemitteilung spricht sich Bürgermeisterkandidatin Carmen Merz vehement gegen das geplante Lidl-Zentrallager aus und kritisiert scharf die Nichtbeachtung der Einwände gegen das Projekt. Außerdem warnt sie eindringlich vor den Folgen für Natur und Bewohner.

In der Pressemitteilung heißt es:

„Die Landesregierung und auch der Regionalverband haben sich für die Firma Lidl ausgesprochen. Deshalb hat man wohl keine Chance, sich dagegen zu stellen. Was allein schon eine Farce an sich ist, dann den Bürgern Einsicht in fast 1000 Seiten Unterlagen im Rathaus zu geben, als ob denn jemand sich da durcharbeiten kann und Einspruch erheben würde.

Ich frage mich, ob Landesregierung und Regionalverband sich in die Entscheidungen einer selbst verwalteten Kommune so einmischen dürfen.

Nicht die Landesregierung und auch nicht der Regionalverband haben nämlich den Verkehr direkt vor der Nase, sondern wir Bürger von Erlensee.

Wobei im Moment das Problem ist, dass ja noch nichts passiert ist, dies sind ja nur die Entscheidungen. Die Folgen werden die Bürger in der Zukunft zu tragen haben. Dann wird allerdings der eine oder andere Befürworter nicht mehr zur Verantwortung gezogen werden können.

Die im Offenlegungsverfahren eingegangenen Stellungnahmen der Träger öffentlicher Belange sehen nicht gerade rosig für das Lidl-Projekt aus.

Da sind zum einen die Naturschutzverbände, welche gegen die vorliegende Planung in der aufgezeigten Form grundsätzlich ablehnend reagiert haben.

Ebenso rechnen die Mandatsträger der Gemeine Neuberg mit erheblich mehr Schwerlastverkehrsaufkommen und sind mit der Bitte um ein neues Verkehrsgutachten nicht gehört worden. Laut ihrer Stellungnahme entspricht das Gutachten von Hessen Mobil, das 2018 erstellt wurde, nicht mehr der tatsächlichen Situation. Angeblich haben sich die Rahmenbedingungen laut der Prüfung der Anregungen nicht geändert. Jeder der heute auf die Arbeit fährt, stellt aber das Gegenteil fest.

Der Logistiker Dachser baut übrigens gerade eine neue Halle im Industriegebiet Langenselbold, das bedeutet noch mehr LKW-Verkehr. Wer früh oder ab 15 Uhr das Langenselbolder Dreieck befährt, steht jetzt schon im Dauerstau.

Auch der  Main Kinzig Kreis – Kreisplanung, betrachtet diese Bebauung kritisch aus verschiedenen Gründen, so z.B. ist die Regenwasserversickerung nach den Vorgaben der Wasserschutzgebietsverordnung verboten. Ein wichtiger Punkt in meinen Augen ist die zu erwartende großflächige Versiegelung, diese unterbindet oder erschwert zunächst die Grundwasserneubildung und dies nahe einem ausgewiesenem Naturschutzgebiet, wo sich zu den entsprechenen Jahreszeiten die Zugvögel niederlassen. Die Folgen sind nicht abzusehen.

Der RP Darmstadt sieht eine Nichteinhaltung der zulässigen Immissionsrichtwerte, das bedeutet, wir werden mehr Lärm bekommen als zulässig ist.

Wir reden alle in den letzten Monaten über CO2, Klimawandel, Fahrverbote, Stickoxide und die entsprechenden Gefahren für die Gesundheit unserer Mitbürger. Warum die Willkür eines einzelnen Unternehmens hier mit aller Gewalt und mit Hilfe der Landesregierung und des Regionalverbandes durchgesetzt wird, ist für mich einfach unbegreiflich.

Fakt ist: Wir werden durch den zunehmenden LKW-Verkehr einen Verkehrskollaps erleben. Da ist die Aussage, Lidl fährt Erdgas-LKW und ist entsprechend umweltfreundlich nicht hilfreich, denn was ist mit den Lieferanten zum Beispiel aus den Ostblockländern?

Im Neubaugebiet haben junge Familien ins Grüne gebaut und so wurde es auch verkauft und beworben. Diese Illusion ist dann Vergangenheit, in der Nacht wird es taghell erleuchtet sein und das schädigt nicht nur den Menschen und auch die Natur. Wir reden hier inzwischen von Lichtsmog welche eine Form der Umweltverschmutzung ist, nur damit die LKW nachts schön beleuchtet in Reih und Glied stehen.

Jungen Familien, die naturnah und für mehr Lebensqualität sich hier ein Grundstück gekauft haben und raus aus der Stadt wollten, um ihren Kindern ein Leben im „Grünen“ zu ermöglichen, haben jetzt rund um die Uhr ein Logistikzentrum vor der Nase. Diese jungen Eltern gehen Tag für Tag arbeiten, um sich einen Traum vom eigenen Haus im Grünen zu erfüllen, der so zerstört wird.

Die aufgenommenen Schulden zwingen diese jungen Familien zu bleiben und zu leiden. Das gilt natürlich auch für die Hauseigentümer in Rückingen, die im Verkehr schon bald ersticken.

Die Leipziger Straße wird in Zukunft rund um die Uhr mit starkem LKW-Verkehr frequentiert werden und die Anwohner werden kaum noch Nachtruhe finden. Im Sommer mit offenen Fenster schlafen oder am Wochenende in Ruhe entspannen, wird dort zum Problem. Schon jetzt höre ich in Gesprächen, dass die Bürger unzufrieden sind mit der jetzigen Situation und wenn man den Brunnenkreisel sieht mit den jetzt schon sichtbaren Schäden durch die schweren Fahrzeuge, weiss man, was auf uns zukommt.

In einer Sitzung im Stadtparlament habe ich erfahren, dass unsere Kreisel angeblich nicht für 40-Tonner ausgelegt sind und die LKW-Fahrer deshalb nicht durch Erlensee fahren würden. Ich finde diese Argumentation seltsam, da meine Augen etwas ganz anderes sehen.

Fakt ist, wenn ich von Langenselbold nach Hanau über die Autobahn fahre, habe ich einen Umweg von 7 km. In der heutigen Zeit, wo Spediteure um jeden gesparten Kilometer kämpfen und möglichst keine Autobahn fahren wollen, auch weil Maut zu zahlen ist, ist es doch normal, dass die LKW-Fahrer durch Erlensee fahren wollen. Zudem wenn sie von Süden kommend zum Lidl-Lager wollen, werden sie durch die Leipziger Straße fahren, die Navis werden sie so dahin leiten.

Interessant ist für mich auch, warum die Firma Lidl, die von Alzenau noch Grund und Boden angeboten bekommen hat, dort unter allen Umständen weg will.

Die angeführten 470 Arbeitsplätze sind in meinen Augen auch nur Augenwischerei, da ja die Mitarbeiter von Lidl Alzenau hier arbeiten werden, es also keine neuen Arbeitsplätze geben wird. Beispiele in der Nachbarschaft sprechen eine andere Sprache.

Weiterhin habe ich bisher noch nicht heraus finden können, was die Firma Lidl mit der angepriesenen harmonischen Zusammenarbeit auf gesellschaftlicher und gewerblicher Ebene in Alzenau (z.B. Schulen, Kindergärten; Feuerwehr, Bürger) in den letzten 20 Jahren Gutes getan hat. Ich stelle einfach mal den Begriff Compliance in den Raum. Wird hier etwa die Zustimmung erkauft? Gerade in den letzten Tagen wurden wir durch die Medien aufgeklärt, dass eine Apotheke keine Werbegeschenke bei verschreibungspflichtigen Rezepten mehr vergeben darf.

Bedauernswert ist es, dass wir hier in Erlensee einem Lidl Platz verschaffen, aber unseren Kleinunternehmen und Mittelständlern keinen Grund und Boden anbieten, damit diese hier in Erlensee ihre Firmen gut unterbringen oder erweitern können.

Unsere Wildtiere leiden durch den starken Logistikerverkehr und wir Bürger von Erlensee wissen bald nicht mehr, wohin wir mit unseren Hunden einen ausgiebigen Spaziergang machen können. Dies gilt auch für die Spaziergänger und Fahrradfahrer – ohne nicht andauernd mit starkem Verkehrsaufkommen zu kollidieren.

Der geplante Fahrradweg beim Lidl ist auch mit einem Übergang einer stark befahren Straße verbunden. So sieht es im Moment für die Planung aus.

Wir haben hier in Erlensee eine Menge Logistiker bekommen, die hier reine Betriebstätten sind und somit die großen Steuereinnahmen nur in den Hauptsitzen der einzelnen Firmen erfolgen (zum Beispiel Dachser in Kempten). Wir bekommen dagegen nur die Krümel. Bei Klein- und Mittelständlern würden wir viel mehr Steuereinnahmen und weniger LKW-Aufkommen aus nah und fern haben. Zukunftsweisende kreative Arbeitsplätze von Menschen, die mit Freude Ihrer Arbeit nachgehen, und keine Billiglohnjobs.

Auch die Vermutung, dass es eine Autobahnabfahrt an der A 45 für Lidl gibt, ist in meinen  Augen eine Fata Morgana. Falls das irgendwann der Fall sein sollte, wird dies erst in 15 bis 20 Jahren spruchreif sein.

Die Versprechungen im Fliegerhorst mit einer „Klassikstadt“ und einem späteren „Reitzentrum“ sind vielen noch im Ohr, da müsste man doch hellhörig werden. Das Gelände ist bis zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht vollständig geräumt und es besteht dort ein Betretungsverbot für die Feuerwehr, da laut meiner Info der RP Darmstadt das Betreten des Grundstückes wegen Gefahr am Leben untersagt hat. Interessant ist auch, dass hier ein örtliches Busunternehmen seine Busse unterstellt.

Und das bei den potentiellen Investoren, die hier für kleines Geld mit großen Versprechen große Grundstücke erworben haben, die jetzt brach liegen.

Das Bewerbungsgespräch um das Grundstück am Fliegerhorst hat sich damals ganz anders dargestellt.

Der Autokontor zahlt nur Miete an die Firma Fäth. Die Firma Fäth verdient damit viel Geld, unsere Straßen jedoch werden mit LKW-Verkehr extrem belastet, der in dieser Form gar nicht so vorgesehen war.

Erlensee wächst, das ist gut so – aber nicht um jeden Preis und nicht auf Kosten der Gesundheit von den Bürgerinnen und Bürger dieser Stadt.

Die Bürger von Erlensee haben ein Recht auf darauf, alle Fakten zu erfahren und sich ihre eigene Meinung zu bilden.

Daher hat die NFE-Fraktion gegen Lidl gestimmt und daher werde ich mich als Bürgermeisterkandidatin auch weiterhin vehement gegen den Bau des Lidl-Zentrallagers aussprechen und vor den gravierenden Folgen warnen“, so Carmen Merz in der Pressemitteilung.

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