Rückgang bei polizeilich aufgenommenen Verkehrsunfällen – Zahl der Verletzten leicht gestiegen

(pm/ea) – „Die Zahl der polizeilich aufgenommenen Verkehrsunfälle, die sich im Jahr 2017 auf den Straßen in der Region ereignet haben, ist nach dem Anstieg im Jahr 2016 nun wieder gesunken“, teilten Polizeipräsident Roland Ullmann und der Leiter der Abteilung Einsatz, Claus Spinnler, anlässlich der Vorstellung der aktuellen Verkehrsunfallstatistik mit.

Die Polizeistatistik für Stadt und Kreis Offenbach und den gesamten Main-Kinzig-Kreis weist gegenüber dem Vorjahr (14.325) mit 14.244 Unfällen einen leichten Rückgang um 81 aus.

In 80 Prozent der Fälle blieb es bei Blechschäden; es waren 11.410 Sachschadenunfälle (Vorjahr: 11.558).

Allerdings ereigneten sich 2.834 Unfälle, bei denen Personen verletzt wurden und damit 67 mehr als im Vorjahr.

Zudem stieg die Gesamtzahl der verunglückten Personen nach dem Tiefststand im Jahr 2016 mit 3.683 auf nunmehr 3.814 Personen (+ 131). In den meisten Fällen wurden die Beteiligten (3.207) nach kurzer medizinischer Behandlung an der Unfallstelle oder im Krankenhaus wieder entlassen.

„Oberste Priorität bleibt in der Verkehrssicherheitsstrategie des Polizeipräsidiums Südosthessen die Verhinderung von Verkehrsunfällen mit schweren Folgen“, betonte Polizeipräsident Ullmann und ergänzte: „denn es verstarben 17 Menschen“.

Die Zahl der Verkehrsunfälle, bei denen mindestens eine Person schwere Verletzungen erlitt, stieg um 21 (+ 4,32%) auf 507 Unfälle; die Gesamtzahl der Schwerverletzten erhöhte sich gegenüber dem Vorjahr um 25 auf 590.

Der volkswirtschaftliche Schaden, der durch die registrierten Verkehrsunfälle entstand, betrug im Berichtsjahr 304 Millionen Euro.

Wildunfälle

Bei den Wildunfällen weist die Statistik gegenüber dem Vorjahr mit 1.188 Verkehrsunfällen eine Zunahme um 67 (+5,64%) auf 1.255 aus.

Nach derzeitigen Erkenntnissen dürfte nach wie vor die erhöhte Population aufgrund anhaltend guter Futterbedingungen Ursache dafür sein. Die Zahl der Wildunfälle in 2017 befindet sich damit auf dem Höchststand der letzten fünf Jahre.

Wie im Vorjahr verstarb bei den Zusammenstößen mit Wildtieren kein Mensch; neun wurden allerdings schwer verletzt (Vorjahr: vier) und 16 Beteiligte erlitten leichte Blessuren (Vorjahr: 17).

Mehr Wildunfälle verzeichnete das Polizeipräsidium Südosthessen im Main-Kinzig-Kreis und auf den Autobahnen, weniger dagegen in Stadt und Kreis Offenbach.

Im Bereich der Polizeidirektion Main-Kinzig stieg die Zahl der Zusammenstöße mit Wildtieren um 77 von 562 im Jahr 2016 auf nunmehr 639 im Jahr 2017. Bei 12 Wildunfällen verunglückten 14 Menschen; sieben erlitten leichte Blessuren, weitere sieben schwere Verletzungen.

Auf den Autobahnen und Schnellstraßen im Bereich des Polizeipräsidiums Südosthessen stieg ebenfalls die Anzahl von 191 um 28 auf 219 Wildunfälle im Berichtsjahr. Drei Personen erlitten
leichte Blessuren.

Im Polizeipräsidium Südosthessen ist die Verhinderung von Wildunfällen nach wie vor ein Schwerpunktthema. In Zusammenarbeit mit den Straßenverkehrsbehörden werden an den relevanten Strecken nach einem Unfall unverzüglich Maßnahmen getroffen. Mit auffälligen Beschilderungen sowie mit Geschwindigkeitsbeschränkungen und gezielten Kontrollen durch die Polizei werden die Verkehrsteilnehmer auf die Gefahren des Wildwechsels hingewiesen. Derzeit zählen wir für den Bereich Offenbach zehn Gefahrenstrecken und eine für den Main-Kinzig-Kreis bei Bad Orb, L 3199, „Eiserne Hand“.

Stadt Hanau und Main-Kinzig-Kreis (ohne Zuständigkeit Autobahnpolizei)

Durch die Polizeistationen wurden im Stadtgebiet von Hanau und im Main-Kinzig-Kreis insgesamt 5.203 (Vorjahr: 4.941) Verkehrsunfälle aufgenommen. Die Zahl der Unfälle mit Personenschäden erhöhte sich um 46 auf 1.116: Es wurden 861 Unfälle mit 1.221 Leichtverletzten (Vorjahr: bei 842/1.131 Personen) und 248 Unfälle mit 295 Schwerverletzten (Vorjahr: bei 216/248 Personen) registriert. Bei sieben Verkehrsunfällen kamen sieben Menschen ums Leben (im Vorjahr:12/13).

Bereich Autobahnpolizei

Der Zuständigkeitsbereich der Polizeiautobahnstation Langenselbold erstreckt sich auf die Abschnitte der Autobahn 66 (zwischen Schlüchtern-Nord und Ausbauende Bergen-Enkheim), der Autobahn 45 (zwischen Anschlussstelle Altenstadt und Seligenstädter Dreieck), der Autobahn 3 (zwischen Seligenstädter Dreieck und Offenbacher Kreuz), der Bundesstraße 43a (zwischen Hanauer Kreuz und Bundesstraße 45) sowie der Bundesstraße 45 (zwischen Klein-Auheim und Urberach) und der Autobahn 661 (zwischen Anschlussstelle Neu-Isenburg und Ausbauende Egelsbach).

Durch die Polizeiautobahnstation Langenselbold wurden insgesamt 2.263 Verkehrsunfälle aufgenommen (134 weniger als im Vorjahr). Bei 353 Unfällen wurden Verkehrsteilnehmer verletzt (Vorjahr: 345). Insgesamt kamen 556 Menschen zu Schaden (30 mehr gegenüber dem Vorjahr), 465 erlitten leichte Blessuren (Vorjahr: 437) und 88 schwere Verletzungen (Vorjahr: 85). Auf den Autobahnen und Kraftfahrstraßen kamen bei drei (Vorjahr: vier) Unfällen drei Menschen ums Leben (Vorjahr: vier).

Verkehrssicherheitsstrategie der Polizei

Leitender Polizeidirektor Claus Spinnler sagte: „In unserer Verkehrssicherheitsstrategie behalten wir neben den jungen Fahrern weiterhin die älteren Menschen im Blick, die wir durch die verstärkte Einbeziehung der Sicherheitsberater für Senioren noch gezielter erreichen wollen“.

Bedauerlicherweise ereigneten sich im Berichtsjahr 2.670 Unfälle mit Verkehrsteilnehmern der Generationen 65+ und 75+ (Vorjahr: 2.688).

Positiv ist, dass die Statistik bei der Generation 65+ einen Rückgang um 66 Unfälle auf 1.500 Unfälle aufweist; ihr Anteil an der Gesamtunfalllage liegt im Jahr 2017 bei 10,53 Prozent (Vorjahr:
10,93 Prozent).

Bei der Generation 75+ ist der Anteil an der Gesamtunfalllage dagegen leicht auf 8,21 Prozent angestiegen; während die Senioren im Jahr 2016 an 1.122 Unfällen beteiligt waren, stieg die Zahl im Jahr 2017 auf 1.170 Verkehrsunfälle an.

Fünf Senioren verloren ihr Leben; drei davon waren aus der Altersgruppe 75+ (Vorjahr: Elf Senioren, davon acht 75+).

Bei nahezu jedem zweiten Unfall der 65- bis 74-Jährigen verursachten diese den Unfall selbst. Höher ist immer noch die Verursacherquote bei den Verkehrsteilnehmern 75+, denn diese lag im
Jahr 2017 bei rund 64 Prozent (im Jahr 2016 lag die Verursacherquote sogar bei über 66 Prozent).

43 Prozent der 65- bis 74-Jährigen, die bei einem Unfall verunglückten, saßen am Steuer eines Autos.

Pedelec-Unfälle

Pedelecs sind rechtlich gesehen Fahrräder und werden im Volksmund Elektrofahrrad genannt, wobei der Zusatzmotor nur läuft, wenn der Fahrer in die Pedale tritt. Ab 25 Stundenkilometern schaltet der elektrische Motor automatisch ab.

Die Zahl der Unfälle mit Pedelecs ist in den letzten Jahren kontinuierlich angestiegen. „Wir erklären uns den Anstieg mit der zunehmenden Beliebtheit der Pedelecs. Allerdings stellt das
Pedelec-Radeln auch besondere Anforderungen an die Fahrer“, sagte der Behördenleiter. Polizeipräsident Ullmann hatte bereits bei der Vorstellung der Verkehrsunfallstatistik für das Jahr 2013 auf den deutlichen Anstieg bei den Pedelec-Unfällen hingewiesen; es wurden damals 13 Unfälle polizeilich aufgenommen, im Jahr 2012 gab es dagegen „nur“ einen Unfall. Für 2017 weist die Statistik sogar schon 29 Unfälle mit Pedelecs aus. Dabei erlitten sieben Personen schwere und 19 leichte Verletzungen; 12 Pedelec-Radler waren über 65 Jahre alt.

Ullmann betonte: „Wichtig ist, dass die Pedelec-Radler die Verkehrsregeln beachten, denn die falsche Straßenbenutzung ist Hauptursache bei den Unfällen. Damit ist unter anderem das Fahren auf dem Gehweg oder entgegen der Einbahnstraße gemeint“.

Außerdem ist es aus polizeilicher Sicht ratsam, einen Helm und geeignete Kleidung zu tragen. Auch ein Mobilitätscheck beim Arzt, eine Fachberatung beim Kauf eines Pedelecs sowie Training auf sicherem Gelände bringen mehr Sicherheit für die Pedelec-Liebhaber.

Motorradunfälle

Eine leichte positive Entwicklung gab es bei den Motorradunfällen (über 125 Kubikzentime-ter); so ereigneten sich 197 Unfälle mit Kradfahrern im Jahr 2017 und damit sieben weniger als im Vorjahr (204). Allerdings verloren sieben Kradfahrer bedauerlicher Weise ihr Leben (Vorjahr: sechs), 52 erlitten schwere (Vorjahr: 53) und 100 leichte Verletzungen (Vorjahr: 96).

Die Ursache „Geschwindigkeit“ spielte hierbei – wie in den vergangenen Jahren – die Hauptrolle.

„Mit gezielten Kradkontrollen, die wieder landesweit zwischen dem 22. April und 6. Mai stattfinden, versuchen wir, die Biker zur Einhaltung der Tempolimits zu bewegen“, sagte Spinnler und fügte an: „Darüber hinaus hat sich das Polizeipräsidium Südosthessen an der 37.Veranstaltung Anlassen der Motoren, die am Sonntag, den 15. April, in Gelnhausen stattfand, wieder beteiligt. Dabei stand für uns die Prävention im Vordergrund“.

Die Prävention steht auch in der Verkehrswoche vom 16. bis 20. April im Mittelpunkt; so wird speziell – trotz rückgängiger Unfallzahl – auf die Altersgruppe „Junge Fahrer“ eingegangen.
Insbesondere die Geschwindigkeitsunfälle sowie die Fahrten unter Drogen und Alkohol der 18- bis 24-Jährigen werden in den Fokus gerückt.

Weitere Themen der Verkehrswoche sind die Rettungsgasse, Alkohol und Drogen im Straßenverkehr, Geschwindigkeit und der Tag des Speed-Marathons sowie das richtige Verhalten nach einem Unfall.

Ullmann und Spinnler appellieren einmal mehr an die Verkehrsteilnehmerinnen und Verkehrsteilnehmer, die Verkehrsregeln zu beachten und sich stets fair und rücksichtsvoll zu verhalten.

 

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