„Tödliche Gefahr!“ – Tragischer Vorfall im Erlenseer Vogelpark

(pm/ea) – Wer kennt die Schilder im Zoo nicht. „Füttern verboten“, „Bitte nicht füttern“? Dies liest man heutzutage so gut wie in jedem Zoo. Aber warum möchten Zoos, Tierparks, Wildgehege aber auch private Halter nicht, dass Besucher und Fremde die Tiere füttern? Das zeigt ein tragischer Vorfall, der sich an diesem Wochenende im Vogelschutz-Park ereignet hat.

Zwei Liebesvögelchen sind durch nicht artgerechte Futtergabe durch Besucher an einer akuten Vergiftung verstorben.

Die Besucher wollten nichts Böses, aber der gute Wille endete im Drama. Das Vogelpärchen erlag eng einander gekuschelt seinen Vergiftungen. Zunächst verstarb das Männchen, während sich das Weibchen an seinen Leib drückte. Nur wenige Augenblicke nach seinem Tod hörte auch sie auf zu atmen. Alle Mühe, die beiden Liebesvögel zu retten, schlugen fehl.

Ein herzzerbrechendes Bild, das Paar so innig nebeneinander liegend, leidend und sterbend zu sehen! Ein Anblick, der zu Tränen rührte, den aber die Verursacher nicht ertragen mussten.

Ein Einzelfall? Leider nicht. Recherchiert man im Internet, findet man etliche Berichte, in denen das Füttern von Tieren durch Zoobesucher zu schweren Erkrankungen oder zum Tod dieser geführt hat. Aber wieso ist das so? Was vielen Menschen nicht bewusst ist, die Ernährung von Mensch und Tier unterscheidet sich teilweise erheblich. Was für Hund, Katz, Maus nicht schädlich ist, kann den Menschen töten. Und so ist es auch anders herum.

Aber nicht nur Giftiges kann dabei in den Organismus der Tiere gelangen. So gibt es Lebensmittel, die akut Blähungen, Erbrechen oder Durchfälle verursachen, die mit Schmerzen und Leiden verbunden sind oder im schlimmsten Fall auch den Tod verursachen können. Es gibt Nahrungsmittel, die auf längere Sicht gesehen dem Tier schaden. Weil die Tiere vielleicht etwas mögen, wie der Hund die fettige Salami, die Kuh das gewürzte Brot oder der Affe die süßen Bananen, heißt das nicht, dass sie das fressen sollten. Durch zuckerreiche und fettreiche Nahrung verfetten die Tiere und werden in Folge dessen schwer krank. Außerdem haben Tiere im Zoo, Wildgehegen oder auf Koppeln einen Besitzer, den es nicht erfreut, wenn 20 Besucher am Tag dem eigenen Schützling schädliches Futter geben, auch wenn es nur „gut gemeint“ war.

Was macht schon ein Stückchen Zucker, ein bisschen Brot, eine Hand voll Nüsse oder eine Banane aus? Das Problem ist: genau so denken viele Besucher. Und schnell hat die Kuh mehrere Scheiben Brot, der Hund eine ganze Salami und der Affe 10 Bananen gefressen. Unabhängig von der verzehrten Menge können unsere tierischen Freunde auch krank sein und eine bestimmte Diät benötigen oder Medikamente erhalten, welche der Tierarzt verordnet hat.

Der Besucher kann nicht erkennen, ob das Tier, welches er ohne Einverständnis füttert, eine Vorerkrankung hat oder in Behandlung ist. Vielleicht hat das Tier Diabetes oder eine Fettleber, vielleicht bekommt das Tier Medikamente, die sich mit manchen Lebensmitteln nicht vertragen? Die Folgen sind tödlich.

Aber auch ein anderes Problem kann bei der Fütterung von Tieren auftreten: Kämpfe um das neu eingebrachte Futter! Der Besucher kennt die Hierarchie unter den Tieren nicht und er kann bei Zwischenfällen nicht eingreifen. Eine Banane in einem Affengehege mit 10 Affen kann ein Desaster auslösen. Bei Kämpfen ums Futter kann es zu schweren Verletzungen der Tiere kommen, die bei manchen Arten auch tödlich sein können.

Was für Tiere in Zoos, Tierparks, Wildgehegen aber auch in privater Haltung gilt, gilt natürlich auch für die Wildtiere. Während die in Gefangenschaft lebenden Tiere unter Umständen vom Tierarzt gerettet werden können, kann das Reh an den Folgen von nichtartgerechter Fütterung qualvoll im Wald sterben, ohne Hoffnung auf Erlösung durch ein Raubtier, einen Jäger oder einen Tierarzt. Und auch bei der Winterfütterung von Vögeln müssen bestimmte Regeln eingehalten werden, damit man den Tieren wirklich durch den Winter hilft, statt ihnen zu schaden. Dazu zählen der Verzicht auf Fütterung mit Gebäck jeglicher Art (Brot, Brötchen), der Verzicht auf Fütterung von Enten, Gänsen und Schwänen in Gewässern, die regelmäßige Reinigung von Futterhäuschen sowie der Kauf von artgerechtem und nicht einseitigem Futter.

Und so bitten auch wir um ihr Verständnis, wenn es im Vogelschutz-Park heißt „Füttern strengstens verboten“. Dies geschieht nur zum Wohle unserer tierischen Freunde.

Bericht und Foto: Monika Malczyk, 1. Vorsitzende des Vogelschutzvereins Erlensee

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