Angehörige der Hanauer Attentatsopfer bedanken sich für Unterstützung und Solidarität

(pm/ea) – Angehörige der Hanauer Attentatsopfer vom 19. Februar 2020 bedanken sich für die Unterstützung und Solidarität anlässlich des ersten Jahrestags in einem Offenen Brief: „Diese Aktionen und Worte tun uns sehr gut und kommen bei uns an.“

„Wir bedanken uns bei allen Menschen, die uns rund um den schweren Jahrestag am 19.02.21 unterstützt haben und ihre Solidarität mit uns zum Ausdruck gebracht haben. Die Liste an Unterstützern ist lang und sicher nicht vollständig. Aber exemplarisch möchten wir uns bei allen Schulen, Kindergärten, Unternehmen, Sportvereinen, Religionsgemeinschaften, Institutionen und Pressevertretern bedanken. Es haben uns zudem unzählige Nachrichten, Aktionen und Solidaritätsbekundungen über die sozialen Medien erreicht.

Diese Unterstützung, Aktionen und Worte tun uns sehr gut und kommen bei uns an.

Der allergrößte Dank gilt an dieser Stelle aber allen Hanauerinnen und Hanauern, die uns nicht nur am Jahrestag, sondern das ganze Kalenderjahr hinweg unterstützt haben. Es war sicher kein leichtes Jahr. Für Niemanden in Hanau. Das wir dennoch die Kraft der Hanauerinnen und Hanauer bis zum heutigen Tag spüren, hat uns oft an schweren Tagen geholfen. Hanau steht zusammen ist nicht nur ein Slogan, er wird in dieser Stadt gelebt.

Natürlich haben wir auch die eine oder andere kritische Stimme, Relativierung oder böse Nachricht erhalten und wahrgenommen. Insbesondere denken wir auch an die Diskussionen rund um das Brüder-Grimm Denkmal. Wir sind sehr froh darüber, dass so viele Menschen den Mut und die Courage haben und hatten, sich bis zum heutigen Tag offensiv gegen die kritischen Stimmen zur Wehr zu setzen und uns diesen Platz des Andenkens so lange gewährt haben.

An dieser Stelle möchten wir uns als Familien aber klar und eindeutig von Beleidigungen oder Verunglimpfungen distanzieren. In diesem Land herrscht Meinungsfreiheit, das bedeutet auch, dass wir eine andere politische Meinung und Haltung zu Themen respektieren, auch wenn sie nicht der unseren entspricht. Die Toleranz, die uns gegenüber aufgebracht wird, werden wir auch anderen gegenüber aufbringen. Jegliche Form von Beleidigungen oder Drohungen, insbesondere in sozialen Netzwerken, sind weder von uns initiiert, noch werden diese von uns unterstützt oder befürwortet. Dies ist uns an dieser Stelle ausgesprochen wichtig klarzustellen.

Für uns als Familien geht der Blick nach vorne. Der 19.03. ist jeher für die Stadt Hanau von großer historischer Bedeutung, so wie für uns auch jeder 19. des Kalenders von trauriger persönlicher Wichtigkeit ist. Wir denken, dass dieses Datum der richtige Zeitpunkt ist, um gemeinsam ein Zeichen zu setzen. Wir werden dann die Bilder unserer Kinder, Brüder und Schwester vom Brüder-Grimm Denkmal entfernen.

Dies ist ganz sicher nicht leicht für uns, da er uns vor Augen führt, wie schnell die Zeit vergeht und wie groß der Schmerz und die Trauer über unseren Verlust weiterhin sind. Die Angst vergessen zu werden schwingt mit, dennoch denken wir, dass es das richtige Schritt sein wird.

Denn wir sind uns sicher: Hanau wird uns nicht vergessen!

Vielen Dank Hanau und allen Unterstützern!“

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