Corona-Krise und Luftqualität in Hessen: HLNUG legt erste Auswertungen vor

(pm/ea) – Das Hessische Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG) hat in einem Dossier „Sauberere Luft durch Corona“ über erste Auswertungen zu Auswirkungen des „Lockdowns“ auf die Luftqualität informiert. Nachfolgend Auszüge aus dem Bericht, der dankenswerterweise vom HLNUG zur Verfügung gestellt wurde.

Rückgang des Verkehrsaufkommens ab 16. März

Das HLNUG misst in Hessen an drei Standorten das Verkehrsaufkommen: Limburg-Schiede, Darmstadt-Hügelstraße und Frankfurt-Höhenstraße. Das tägliche Verkehrsaufkommen ist dort ab Montag, 16. März 2020 Tag für Tag zurückgegangen. Im Vergleich zu der Zeit vor dem Corona-Lockdown sind die Verkehrszahlen im Mittel um rund 30 bis 40 Prozent zurückgegangen, wobei die prozentuale Verkehrsminderung an den Wochenenden stärker ausfällt als unter der Woche.


Luftschadstoffkonzentrationen auch vom Wetter beeinflusst

Die Konzentration an NO2 und Feinstaub in der Außenluft hängt nicht nur von den Verkehrsemissionen ab, sondern wird auch vom Wetter bestimmt. Daher kann man relativ kurze Zeiträume nicht miteinander vergleichen, ohne die meteorologischen Bedingungen zu berücksichtigen. Wird ein längerer Zeitraum beobachtet, treten verschiedene Wetterverhältnisse auf. Daraus lässt sich ein Mittelwert bilden, der repräsentativ für verschiedene meteorologische Bedingungen ist.

Fast zeitgleich mit dem starken Rückgang des Kfz-Verkehrs ab dem 16. März hat sich die Großwetterlage komplett umgestellt. Während im Februar und zunächst im März eine Tiefdruckwetterlage mit hauptsächlich westlichen Strömungen, viel Wind und viel Niederschlag vorherrschte, änderte sich die Wetterlage hin zu Hochdruckeinfluss mit trockener Luft und vorwiegend östlichen Strömungen im letzten Märzdrittel und fast im ganzen April. Dieser Umstand macht es besonders schwierig, die Schadstoffkonzentrationen während des Corona-Lockdowns mit den vorherigen Wochen zu vergleichen und daraus Effekte abzuleiten.

Erheblicher Rückgang der NO2-Konzentrationen

Um die Effekte möglichst früh einzuschätzen, hat das HLNUG in einer Auswertung nur die Tage für einen Vergleich herangezogen, an denen gleiche oder ähnliche Windströmungen wie ab dem Corona-Lockdown herrschten. Der Vergleichszeitraum bezog sich auf das vorhergehende halbe Jahr.

Die Auswertung führte zur Einschätzung, dass die NO2-Konzentrationen ab dem Lockdown erheblich zurückgehen. Im Mittel über alle verkehrsnahen Messstellen deutet sich ein Rückgang von etwa 35 Prozent an. Dies ist eine vorläufige Einschätzung. Weiterführende Auswertungen werden zeigen, ob sich diese Einschätzung bestätigen lässt.

In einer zweiten Auswertung hat das HLNUG analysiert, wie sich die NO2-Konzentrationen während des Lockdowns statistisch – und damit unabhängig von meteorologischen Bedingungen – verhalten. Für diese Auswertung wurde als „Corona-Zeitraum“ der 16. März bis 30. April betrachtet. Die Mittelwerte über diese circa sechseinhalb Wochen wurden verglichen mit allen Mittelwerten, die in den letzten fünf Jahren über ebenfalls sechseinhalb Wochen beobachtet wurden.

Es zeigt sich, dass die Messwerte im Corona-Zeitraum an sehr vielen Stationen in Hessen besonders niedrig sind, auch wenn innerhalb der betrachteten fünf Jahre schon vorher einige andere Zeiträume mit niedrigen Werte aufgetreten sind. An manchen Stationen wurden bezogen auf den betrachteten Zeitraum von sechseinhalb Wochen noch nie niedrigere Werte gemessen.

Im Mittel über alle Stationen im ländlichen beziehungsweise städtischen Raum liegen die Werte im Corona-Zeitraum bei sechs beziehungsweise 19 Mikrogramm pro Kubikmeter. Im Mittel über alle verkehrsnahen Stationen liegt die Konzentration im Corona-Zeitraum bei 30 Mikrogramm pro Kubikmeter. Das ist circa elf Prozent niedriger als der bis dahin niedrigste gemessene Mittelwert über den gleichen Zeitraum an allen verkehrsnahen Stationen. Das weist darauf hin, dass die Werte an den verkehrsnahen Standorten im Corona-Zeitraum signifikant niedriger sind als es die normale Schwankungsbreite erwarten lassen würde. Schwankungen entstehen durch sich ändernde meteorologische Einflüsse sowie geringfügige Variationen im Verkehr. Das heißt, die drastisch reduzierten Verkehrszahlen wirken sich zweifellos mindernd auf die NO2-Außenluftkonzentrationen aus.

Ähnlich hohe Rückgänge beim Feinstaub nicht zu erwarten

Der Anteil, den der Kfz-Verkehr am Feinstaub hat – insbesondere der mit dem Abgas direkt verursachte Feinstaub –, ist in den letzten Jahren stark zurückgegangen. Daher ist nicht zu erwarten, dass sich Feinstaubkonzentrationen ähnlich wie bei den Stickoxiden aufgrund von Verkehrsminderungen reduzieren. Stattdessen gab es Ende März ein sehr selten auftretendes meteorologisches Ereignis, bei dem Saharastaubpartikel bis in unsere Breiten transportiert wurden. Dies hatte zur Folge, dass die Feinstaubkonzentrationen in Hessen für kurze Zeit ungewöhnlich hoch waren.

Deutlich weniger ultrafeine Partikel in Raunheim

Nicht nur der Straßenverkehr, sondern vor allem auch der Flugverkehr hat sich seit März drastisch reduziert. Im März fanden noch etwa die Hälfte der Starts und Landungen verglichen mit dem Vorjahreszeitraum statt, im April sogar nur noch etwa 15 Prozent. Eine Minderung der bodennahen Stickoxid- oder Feinstaubkonzentrationen in der Rhein-Main-Region allein dadurch lässt sich nicht erkennen. Jedoch sieht man einen deutlichen Effekt in der Belastung mit ultrafeinen Partikeln. Weht der Wind aus Richtung des Flughafens, beobachtet man typischerweise stark erhöhte Konzentrationen an besonders kleinen Partikeln, die kleiner als 30 Nanometer sind.

Seit März ist der Anteil der ultrafeinen Partikel, die dem Flugverkehr zuzurechnen sind, deutlich zurückgegangen. In Raunheim liegt die Konzentration an ultrafeinen Partikeln bei Wind aus Richtung Flughafen aktuell im Mittel etwa 40 Prozent niedriger als sonst bei gleichen Windbedingungen. An den anderen Stationen, die alle im Stadtgebiet Frankfurt liegen, kann der Effekt derzeit noch nicht beziffert werden, da der Wind seit März nur sehr selten aus Richtung des Flughafens geweht hat. Er wird sich aber etwa in der gleichen Größenordnung wie in Raunheim bewegen.

HLNUG-Dossier „Saubere Luft durch Corona“:

https://www.hlnug.de/?id=16738

Informationen zu ultrafeinen Partikeln:

https://www.hlnug.de/themen/luft/ultrafeine-partikel

Weitere Informationen und aktuelle Messwerte:

www.hlnug.de/themen/luft
www.hlnug.de/messwerte/luft/recherche-1

Grafiken: HLNUG

Archivfoto: HLNUG

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