Leserbrief: „Erlensee pro Kopf doppelt so hoch verschuldet wie Neuberg“

In seinem Leserbrief kommentiert Alfred Herms die finanzielle Situation der beiden Kommunen.


Die von den beiden Bürgermeistern angeschobene Fusion Erlensee – Neuberg wirft die Frage nach der finanziellen Situation der Gemeinden auf.

Während Neuberg per 31.12.2017 rund 1400 Euro pro Kopf an Schulden angehäuft hatte, belief sich der Betrag für Erlensee auf mehr als das Doppelte. Dabei hat Neuberg seine Kassenkredite (vergleichbar privat: Dispositionskredit) aus eigener Kraft getilgt, während Erlensee für seine 18 Millionen die „Hessenkasse“ des Landes Hessen in Anspruch nehmen musste. Die Hälfte dieser Summe, knapp 9 Millionen Euro, muss Erlensee in den Nächsten 25 Jahren zurück zahlen. Das sind pro Jahr 360 000 Euro, die auch wir Neuberger mittragen müssten.

Bei vielen Befürwortern der Fusion besteht die Hoffnung, dass Erlensee mit seinen Logistikfirmen in den neuen Gewerbegebieten in Zukunft so viel Gewerbesteuer erzielt, dass die Gesamtgemeinde aller Sorgen ledig wäre. Das ist, wie Kommunalfinanzfachleute in der Vergangenheit leidvoll erfahren mussten, häufig nicht der Fall.

Gerade die großen Firmen wie Heinemann, Dachser und Co. sind dank Ihrer nationalweiten Aufstellung in der Lage, ihre Steuerzahlungen extrem zu optimieren (siehe Amazon Bad Hersfeld). Es ist doch sehr zweifelhaft, ob der Ertrag für den Gemeindesäckel den Aufwand langfristig lohnt.

Einen wirklichen Gewinn bringen in erster Linie Gewerbetreibende, die ihren Sitz in der Gemeinde haben und somit nicht nur Arbeitsplätze schaffen, sondern auch ihre Steuern komplett in der Kommune abliefern. Firmen wie z.B. ROBA, Wagner oder Dietz dienen der Gemeinde sicherer und dauerhafter. Auf die Gewerbesteuereinnahmen von Erlensee zu bauen, kann ein Trugschluss sein.

Die Mischung aus ortsansässigen Firmen und dem kommunalen Finanzausgleich (der Anteil an der Lohn- und Einkommenssteuer, den unsere Bürger erwirtschaften) ist ungleich zukunftsträchtiger. Hier dürfte unsere Gemeinde allerdings noch zulegen.

Alfred Herms
Neuberg

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