Sitzung des Zweckverbands Fliegerhorst: Anpassung der Lärmwerte – keine Dokumentation der Geschichte

(mb/ea) – Obwohl letztendlich fast alle Sitzungsmitglieder mehrheitlich den zu fassenden Beschlüssen zustimmten, sorgten einige Tagesordnungspunkte der Sitzung des Zweckverbandes Entwicklung Fliegerhorst Langendiebach am vergangenen Mittwoch für reichlich Gesprächs- und Zündstoff. Allen voran die Anpassung der Lärmgrenze im inneren Dreieck.


Möglich wurde dies, da im ursprünglichen Lärmgutachten ein geringer Puffer einberechnet wurde. Auf Bitte der Firma Retro Klassik GmbH wurde mit diesem Puffer nun eine Anpassung für die Lärmwerte im inneren Dreieck von tagsüber 53 auf 69 dB-A und nachts von 40 auf 45 dB-A vorgenommen, um die dortigen Grundstücke auch an normale Handwerksbetriebe vermarkten zu können. Ohne eine solche Anpassung wäre dort sonst nur stilles Gewerbe und eine Büronutzung möglich gewesen. Dabei werden jedoch den umliegenden Betrieben keine Lärmwerte abgezogen, sondern nur der Puffer des Gutachtens verwendet, unterstrich Stadtplaner Thomas Engel. Letztendlich könnten jedoch Firmen wie Wilhelm Brandenburg oder DS Smith mit ihren riesigen Hallen auch den Lärm aus dem inneren Dreieck fast gänzlich nach außen abschirmen.

Nur der Bruchköbler und Zweckverbandsmitglied Uwe Ringel kritisierte, dass dadurch auch der Campingplatz am Bärensee mehr Lärm als die für einen Campingplatz zulässigen 40 dB-A abbekommen würde. Bürgermeister Stefan Erb entgegnete jedoch, dass zum einen kein Bebauungsplan für den Campingplatz vorliege, der einen besonderen Lärmschutz ermögliche und es zum anderen auch im Interesse der Stadt Bruchköbel sein sollte, die Fläche zu vermarkten. Schwierig könnte es nur für den Investor werden, der eine Veranstaltungshalle plant und bei der Bauaufsicht den Nachweis erbringen muss, dass durch entsprechende bauliche Maßnahmen die Lärmwerte auch eingehalten werden.

Im Rahmen der Zweckverbandssitzung gab der Vorsitzende Uwe Laskowski auch den Vertretern der Firma Retro Klassik die Möglichkeit, ihre Plänen vorzustellen und zu den Vorwürfen Stellung zu nehmen, keine Absicht gehabt zu haben, ein Reitsportzentrum errichten zu wollen. Der Vertreter der Retro Klassik GmbH erklärte daraufhin den unglücklichen Verlauf der Dinge, aber auch wie weit die Planungen bereits vorangeschritten waren. Nachdem die Firma 2014 das innere Dreieck erworben hatte, bekam sie kurze Zeit später überraschend den Nürburgring angeboten. Somit war schnell klar, nicht zwei identische Projekte zu realisieren. Stattdessen griff man die schon länger gekeimte Idee eines internationalen Reitsportzentrums auf. Die Planungen für die Reitsporthalle, Pferdeboxen, eine Veterinärsklinik, Gastronomie und Konferenzgebäude, sowie Hotels waren bis ins Detail vorangeschritten. Insgesamt wurden 7-stellige Beträge dafür aufgewendet, unter anderem Anzahlungen für die bereits beauftragten Pferdeboxen getätigt.

Nachdem der Zweckverband jedoch der Großmetzgerei Wilhelm Brandenburg GmbH & Co. oHG den Zuschlag für das angrenzende Gelände gab, sah die Firma Retro Klassik GmbH keine Möglichkeit mehr, ein internationales Reitsportzentrum neben einer Großmetzgerei zu vermarkten und stoppte deshalb die Arbeiten. Stattdessen sollen die Grundstücke nun kleinteilig vermarktet werden.

Erste Grundstücke wurden laut Retro Klassik auch schon verkauft. Darunter an eine Erlenseer Firma, die dort ein Hotel und eine Veranstaltungshalle bauen möchte und an die Firma Hillwood / Nvelop, die Hallengebäude auf Vorrat errichtet, um sie an mittelständische Unternehmen zu vermieten. Mit der noch ausstehenden Zusage der Firma Racktours, deren Interesse vorrangig von der Anpassung des Lärmwerte abhing, wären dann rund 90 Prozent der Fläche verkauft.

Unterdessen sucht die Firma Retro Klassik einen neuen Standort für das Reitsportzentrum und hofft, dort ihre Pläne umsetzen zu können.

Während die überwiegende Mehrheit der Sitzungsteilnehmer dem Bericht interessiert zuhörte, dauerte es einigen zu lange. Uwe Ringel kritisierte, dass man letztendlich sowieso nicht beeinflussen könne, was mit den verkauften Grundstücken passiere und drängte stattdessen zügig zur Abstimmung überzugehen. So musste Uwe Laskowski, Vorsitzender der Zweckverbandsversammlung, schließlich darüber abstimmen lassen, ob die Sitzungsmitglieder weiter dem Vortrag folgen wollten.

Auch der Aschaffenburger Immobilienentwickler Fäth bekam im Rahmen der Sitzung die Gelegenheit, seine Pläne zum Tower vorzustellen, der mittlerweile an einen Logistiker verkauft wurde. In Absprache mit dem Denkmalschutz ist eine Aufstockung im hinteren Bereich geplant, um das Gebäude als Bürogebäude nutzen zu können, jedoch nicht das Erscheinungsbild zu verändern. Um auf dem ungünstig geschnittenen Gelände eine Halle bauen zu können, wurde eine zusätzliche, angrenzende Fläche angekauft, denn der Denkmalschutz sieht vor, dass vor dem Tower eine Blickachse offen bleiben muss, in der keine hohen Gebäude errichtet werden dürfen. Auch die endgültige Gestaltung der Fassade liegt in den Händen des Denkmalschutzes.

Abgeschmettert wurden hingegen der Antrag von Bürgermeister Stefan Erb, dem Zweckverband auch die Dokumentation der Geschichte des Fliegerhorstes aufzutragen. Dazu sollten unzählige Dokumente digitalisiert und in einem wissenschaftlichen Archiv zusammengefasst werden. Die Mitglieder schreckte jedoch die angepeilte Summe von rund 1,1 Mio. Euro ab, die Erb dafür verteilt über 5 Jahre vorgesehen hatte. Auch wenn die Abstimmung lediglich dazu diente, dem Zweckverband die Möglichkeit zu geben, überhaupt Geld für die Dokumentation aufzuwenden und nicht die Summe festzulegen, wurde der Antrag schließlich abgelehnt.

Zweckverbandsmitglied Alexander Rabold kritisierte dabei die große Summe und betonte, dass weder die finanzielle Lage von Erlensee oder Bruchköbel so gut seien, dass man nicht wisse, wohin mit dem Geld. Vielmehr sei dies Aufgabe des Landes, das mit seinem Denkmalsschutz vielfach die Arbeit erschwert. Auch Werner Bös sah sich Kosten und Nutzen des Projekts kritisch gegenüber, denn nach dem Aufbau eines Archivs würden für Pflege und Unterhaltung weitere Folgekosten auf den Zweckverband zukommen. Entschieden dafür war hingegen Carmen Merz, die mehrfach betonte, wie wichtig es sei, in unserer heutigen Zeit die Geschichte für die Nachwelt zu erhalten.

Zum Ende der Sitzung wandte sich Merz mit der Bitte an den Zweckverband, ein wachsameres Auge auf den LKW-Verkehr auf dem Fliegerhorst zu haben. So parkten laut Merz die LKWs vielfach die Bürgersteige zu, oder Fahrer verrichteten ihre Notdurft in der angrenzenden Vegetation. Bürgermeister Stefan Erb und Bürgermeister Günter Maibach versicherten daraufhin, die Ordnungspolizei zu informieren, um das Gebiet besser zu kontrollieren.

Bericht: Mike Bender

Archivfoto: Benjamin Thoran

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