Interview mit Uwe Laskowski, Vorsitzender der Zweckverbandsversammlung Fliegerhorst

(ms/ea) – Seit Dezember letzten Jahres ist Uwe Laskowski Vorsitzender der Zweckverbandsversammlung. Im Interview berichtet er von seinen Aufgaben, wo er Schwerpunkte setzen möchte und bewertet aus seiner Sicht die bisherige Entwicklung des Gewerbeparks Fliegerhorst.

Sie üben in Erlensee das Amt des Vorsitzenden der Stadtverordnetenversammlung aus. Seit wann haben Sie darüber hinaus mit dem Thema Fliegerhorst zu tun?

Im Jahr 1999 bin ich mit meiner Familie von Maintal nach Erlensee gezogen und habe daher den militärischen Betrieb des Fliegerhorstes nur noch in den letzten Jahren vor dem Abzug der Amerikaner mitbekommen.

Seit 2011 bin ich Vorsitzender der Stadtverordnetenversammlung, die vor Verleihung der Stadtrechte im Jahre 2012 noch Gemeindevertretung hieß.

Mitglied der Zweckverbandsversammlung wurde ich im Jahr 2016, deren Vorsitz ich turnusgemäß von Peter Ließmann übernahm. Geregelt ist dies so, dass jeweils die stärkste Fraktion aus Bruchköbel bzw. Erlensee den Versammlungsvorsitzenden für jeweils die halbe Legislaturperiode stellt.

Welche Aufgaben und Befugnisse hat der Versammlungsvorsitzende?

In erster Linie entspricht das Aufgabenspektrum in etwa dem des Stadtverordnetenvorsitzenden. Ich muss die Sitzung leiten und darauf achten, dass die Geschäftsordnung eingehalten wird.

Die Zweckverbandsversammlung ist das oberste Gremium des Zweckverbands. Sie ist paritätisch mit Abgeordneten der beiden Kommunen Bruchköbel und Erlensee, die den Zweckverband bilden, besetzt, obwohl auf Erlensee der größere Teil der Flächen des Fliegerhorstes, etwa 70%, entfällt.

Der Auftrag des Zweckverbandes und somit auch der Zweckverbandsversammlung stammt von den beiden Stadtverordnetenversammlungen der Städte Erlensee und Bruchköbel. In erster Linie soll der Zweckverband das zugeordnete Gebiet vermarkten d.h. die entsprechenden Bauleitplanungen durchführen, die Grundstücke erschließen und dann veräußern.

Wo sehen Sie Ihre persönlichen Schwerpunkte bei der Ausübung des Amts?

Zum einen stehen Transparenz und Öffentlichkeitsarbeit im Vordergrund. Hier möchte ich die sehr gute Arbeit meines Vorgängers nahtlos fortsetzen.

Für meine Amtszeit habe ich mir vorgenommen, sich die Dinge vor Ort anzuschauen. Deshalb werde ich versuchen, Informationsbesuche für die Verbandsmitglieder bei den Firmen vor Ort zu organisieren, um erleben zu können, was aus den gefassten Beschlüssen entstanden ist und auch, wie viele und welche Arbeitsplätze geschaffen wurden. Natürlich auch ob noch weitere Maßnahmen erforderlich sind, die wir derzeit noch nicht erkennen.

Ein großes Thema ist die Einrichtung eines Dokumentationszentrums. Welche Entscheidungen sind hierfür notwendig?

Die Zweckverbandsversammlung müsste, wenn der Zweckverband ein solches Dokumentationszentrum betreiben soll, eine Satzungsänderung herbeiführen, denn dafür gibt es bisher keinen Auftrag. Eine Satzungsänderung muss einstimmig erfolgen. Wenn dieser Beschluss gefasst wird, tragen die Kommunen Erlensee und Bruchköbel die Kosten dafür jeweils mit ihrem Anteil.

Wie bewerten Sie die bisherige Entwicklung?

Zu den oft geäußerten Meinungen, gerade vor dem Hintergrund des Abrisses der Housing Area, es müsste dort Wohnraum geschaffen werden, kann ich nur immer wieder betonen, dass in der zuständigen Regionalversammlung ausschließlich Logistik und Gewerbe für das Gebiet des Fliegerhorstes zugelassen wurde. Somit erübrigt sich jede Diskussion über das Thema. Bei der Endscheidung in der Regionalversammlung spielte bestimmt auch die gleichzeitige Entwicklung der Baugebiete Im Büchensaal und Am Kreuzweg eine Rolle.

Aufgrund der Größe des Gebietes halte ich die Aufteilung in Logistik- und Gewerbeflächen für sinnvoll. Mit diesen Rahmenbedingungen müssen wir uns auch abfinden.

Häufig wird behauptet, dass alles zugebaut wird. Nun, dazu darf man nicht vergessen, dass der Fliegerhorst ja vorher auch bebaut war und der Untergrund sicher keine hochwertige Ackerfläche war, sondern teilweise extrem belastet war. Hier sollte auch mal die Gegenrechnung zwischen ehemaliger Bebauung und jetziger Bebauung gemacht werden. Die extreme Verunreinigung des Erdreiches ist in fast allen Gebieten vom Zweckverband Fliegerhorst beseitigt worden. Gleiches gilt für die Räumung von Kampfmitteln. Nur alle diese Maßnahmen kosten Geld und die Kommunen Erlensee und Bruchköbel hätten, ohne die Vermarktung der Flächen, dies nie stemmen können. Hier dürfen wir uns keine Idylle vorgaukeln, die es vorher definitiv nicht war.

Bisher wurden rund 1500 Arbeitsplätze geschaffen, wenn REWE-Brandenburg den Betrieb aufnimmt, wird sich die Zahl noch einmal verdoppeln. Und wir sprechen hier nicht von minderwertigen Arbeitsplätzen. Häufig sehe ich mich mit dem Vorwurf konfrontiert, dass immer nur geringverdienende Arbeitsplätze bei Logistikern entstehen. Dies wird häufig bei Gegner der Logistik angeführt, entspricht aber nicht der Wahrheit. Und selbst wenn, sog. Geringverdiener beschäftigt werden, auch diese Arbeitsplätze muss es geben.

Für das innere Dreieck wünsche ich mir auch eine baldige Vermarktung, diese liegt allerdings nicht mehr in unseren Händen. Aber auch hier werden noch weitere Arbeitsplätze und Steuerzahler hinzukommen.

Natürlich gibt es dadurch auch mehr Verkehr, wer etwas anderes behauptet, entzieht sich der Realität. Nur muss man dazu wissen, dass sämtliche Straßen, wie zum Beispiel die Umgehungsstraße nach Neuberg, genau aus diesem Grunde so gebaut wurde. Die Belastbarkeit dieser Landesstraße ist bei weitem noch nicht erreicht.

Dass hier eine zweite Zufahrt geschaffen werden muss, darüber sollte Konsens herrschen. Eine Alternative wäre, die bestehende Zufahrt durch die Markwaldsiedlung zu nutzen. Dies möchte ich aber keinem Anwohner dort zumuten. So haben wir uns für den Bau der zusätzlichen Straße entschlossen. Für die Anwohner haben wir auch vorgesorgt, denn einen Lärmschutzwall, den wir errichten lassen werden, hätte es nicht bedurft. So ist meines Erachtens allen Beteiligten geholfen und alle können zufrieden sein.

Wie lange wird es Ihrer Ansicht nach den Zweckverband noch geben?

Der Zweckverband wird auch nach der kompletten Vermarktung des Geländes weiter bestehen bleiben. Aufgrund der Struktur des Gebietes, bestehend aus zwei Kommunen, ist der Zweckverband unter anderem zuständig für die Infrastruktur, also Abwasser, Straßenreinigung, Busverbindungen usw.

Vielen Dank für das Gespräch.

(Die Fragen stellte Markus Sommerfeld)

Auf dem Foto: Uwe Laskowski

Foto: Privat

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