Eine „Institution“ wurde 40: Der Erlenseer Geschichtsverein

(ms/ea) – Am Sonntag fand im Neuen Löwen eine besondere Veranstaltung statt: Der Geschichtsverein feierte mit vielen geladenen Gästen sein 40-jähriges Jubiläum und ehrte dabei auch langjährige Mitglieder.

Vereinsvorsitzender Erwin Hirchenhain begrüßte zunächst die anwesenden Gäste, darunter Erste Stadträtin Birgit Behr, Mitglieder des Erlenseer Magistrats, die Vorsitzende des Zentrums für Regionalgeschichte, Christine Raedler, die stellvertretende Leiterin der Georg-Büchner-Schule, Stefanie Smith sowie Mitglieder benachbarter Geschichtsvereine.

In seiner Festrede beleuchtete er die Anfänge des Geschichtsvereins. 1970 wurden Rückingen und Langendiebach zur Gemeinde Erlensee und damit zu zwei Ortsteilen, die schon Jahrhunderte zuvor existierten und „viel zu erzählen haben“. Diese Geschichte sollte für die Nachwelt festgehalten werden.

Erwin Hirchenhain konnte weitere Interessierte finden, darunter Wolfgang Haude, der bereit war, für den Vorsitz des neuen Vereins zu kandidieren. Schließlich fand am 28. Februar 1978 die Gründungsversammlung statt.

Bereits vier Jahre zuvor konnte die damalige Gemeinde Erlensee die Wasserburg zu einem sehr günstigen Kaufpreis von der Familie Sattler erwerben. Dies war jedoch mit einer Bedingung verbunden: Bürgermeister Erich Wörner musste Frau Sattler versprechen, die Burg eines Tages als Heimatmuseum zu nutzen.

Mit der Gründung des Geschichtsvereins war die Voraussetzung gegeben, dieses Versprechen einzulösen. 1978 wurden schließlich die Museumsräume eingerichtet, wo sie bis heute sind.

Den in der Satzung geregelten umfangreichen Tätigkeiten des Geschichtsvereins widmete sich der Vorsitzende in seinem zweiten Teil der Rede. So soll die Vergangenheit von Langendiebach und Rückingen sowie der bald 50 Jahre alten Gemeinde bzw. Stadt Erlensee erforscht und die Ergebnisse bekanntgegeben werden. Dies geschieht in Form von Publikationen, Ausstellungen und Vorträgen.

Darüber hinaus werden Exkursionen in die nähere und weitere Umgebung durchgeführt sowie das Thema „Denkmalschutz“ bearbeitet.

Hier verwies Erwin Hirchenhain auf das alte, 1872 erbaute Schulhaus von Langendiebach  mit seinem für die damalige Zeit typischen Treppengiebel. Das Schulhaus soll abgerissen und durch ein neues ersetzt werden. Der Geschichtsverein und die Denkmalschutzbehörde sind sich hier einig, zumindest den Treppengiebel zu erhalten. „Wie das umgesetzt wird, weiß noch niemand so richtig“, so Erwin Hirchenhain.

Abschließend sprach er allen Mitgliedern sein großes Dankeschön aus für das unermüdliche Engagement. Gleichzeitig warb er dafür, sich um jüngere Mitglieder zu bemühen. Der Verein zählt aktuell zwar 210 Mitglieder, allerdings sind 70% älter als 70 Jahre.

„Nur wer die Vergangenheit kennt, versteht die Gegenwart und kann verantwortungsvoll Zukunft gestalten“, so der Vorsitzende Erwin Hirchenhain abschließend.

Erste Stadträtin Birgit Behr und Geschichtsvereins-Vorsitzender Erwin Hirchenhain

Erste Stadträtin Birgit Behr lobte den Geschichtsverein als Institution, die in Erlensee hohes Ansehen genießt.

„Viele Erkenntnisse über Erlensee und seine Vergangenheit sind alleinig dem Geschichtsverein zu verdanken, der erfreulicherweise sein umfangreiches Wissen nicht für sich behält, sondern stets versucht, auch die Bürgerinnen und Bürger für seine Ziele zu interessieren. Mit Idealismus, Einsatzfreude und großer Sachkenntnis haben sich alle Mitglieder der Leidenschaft gewidmet, Tradition zu erhalten und verloren Geglaubtes wieder in den Köpfen wachzurufen“, so die Erste Stadträtin.

Sie verwies darauf, dass wir heute an der Schwelle zwischen persönlicher Erinnerung und musealer Gedächtniskultur stünden: „Die letzten Überlebenden des Völkermordes sind Greise, und auch die Mörder und Mittäter sind fast nicht mehr unter uns. Wir haben niemanden mehr, den wir noch fragen können.“ Hinzu komme, dass immer mehr Menschen keine familiäre Beziehung mehr zur deutschen Vergangenheit haben.

Erinnerung sei jedoch nichts Statisches und nichts Abgeschlossenes. Jede Generation habe einen eigenen Zugang zum Holocaust. „Vielleicht braucht es dafür mitunter Appelle, aber sicher keine Verordnungen. Viel wichtiger ist etwas anderes: Neugier. Und Empathie. Und diese Form des Mitgefühls ist keine Frage des Alters, der Herkunft oder der Religion“, so Birgit Behr, die im Namen des Magistrats dem Geschichtsverein für die Erinnerungstafeln zum Gedenken an die Opfer des Holocaust in Rückingen und Langendiebach ein großes Dankeschön aussprach. „Auch hier eine Maßnahme gegen das Vergessen, zur Erinnerung und für alle jungen Leute vielleicht ein Impuls zur Neugier und zum Mitgefühl.“

Auf den Tafeln wurden die Namen der Opfer veröffentlicht, die von den Nazis umgebracht wurden. Weitere Tafeln von getöteten Soldaten werden auf den Friedhöfen angebracht.

Die Erste Stadträtin dankte den hochmotivierten Mitgliedern des Geschichtsvereins für die geleistete Arbeit und die Vielzahl von Ausstellungen, Broschüren, Aufsätzen und Vorträgen und wünschte dem Verein weitere erfolgreiche Jahre.

Musikalisch begleitet wurde die Feier vom Jugendchor „Sound Planets“ der Chorgemeinschaft Erlensee

Die Leiterin des Zentrums für Regionalgeschichte, Christine Raedler, berichtete, dass es im Main-Kinzig-Kreis über 50 Geschichtsvereine gebe, die sich zur Aufgabe gemacht haben, die lokale Geschichte zu erforschen und wach zu halten. Den Erlenseer Geschichtsverein sah sie „wunderbar aufgestellt“, dessen Mitglieder in breiter Form die Geschichte für die Öffentlichkeit erschließt. Darunter seien auch Experten, zum Beispiel im Lesen alter Handschriften. Schließlich kümmere man sich auch noch um die historische Wasserburg.

Die Ausstellung wurde eröffnet und wird auch noch im Heimatmuseum in der Wasserburg zu sehen sein:

In seinem Grußwort dankte der Vorsitzende des Kirchenvorstands der Evangelischen Kirche, Herbert Horst, dem Geschichtsverein für die gute Zusammenarbeit. Die Arbeit des Vereins helfe auch der Kirchengemeinde, unter anderem bei der Erhaltung alter Schriften. Er verwies darauf, dass es mit dem Sammeln von Exponaten nicht getan sei. Diese müssten aufgearbeitet und repariert werden, bevor sie als wertvolle Zeugnisse im Museum ausgestellt werden könnten.

Die Schriftenreihe des Geschichtsvereins

NFE-Fraktionsvorsitzende Carmen Merz sprach dem Geschichtsverein ihre Hochachtung und Dankbarkeit für das Engagement aus. Sie betonte insbesondere die gerade laufende Zeitzeugenbefragung zum Thema Fliegerhorst und die Aufarbeitung dessen Geschichte. „Wenn man heute den Fliegerhorst sieht, weiß man gar nicht, welche Geschichte sich auf dem Gelände verbirgt“. Ähnlich sei es mit den Kriegsgräbern, die nur durch die Arbeit des Geschichtsvereins Namen tragen, an denen man erschüttert erkennen könne, wie hart und erbarmungslos der Krieg zugeschlagen habe. Sie rief dazu auf, öfter das Heimatmuseum in der Wasserburg zu besuchen, denn es gebe dort immer etwas zu entdecken und zu lernen.

Für 25-jährige Mitgliedschaft wurden geehrt:

Hedwig Reinhart und Klaus Lindenau

Für 40-jährige Mitgliedschaft wurden geehrt:

Fred Euler, Hildegard Frölich, Heidi Gasche, Hedi Haude, Heinrich Halbschmidt, Dr. Gerd Heckmann, Thorsten Heitzenröder, Erwin Hirchenhain, Elvira Horst, Herbert Horst, Bernd Jeschonnek, Paul Jeschonnek, Helio May, Heinz Schneider, Peter Viel und Peter Weidert.

Auf dem Titelfoto: Erste Stadträtin Birgit Behr (links) mit einem Teil der Geehrten

Fotos: Rainer Habermann, Markus Sommerfeld

Weitere Berichte vom Geschichtsverein im Erlensee Aktuell-Vereinsteil unter https://www.erlensee-aktuell.com/category/erlensee/vereine/geschichtsverein/

 

 

 

 

 

 

 

 

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