„Fliegerhorst-Anbindung an A66 politisch und wirtschaftlich nicht zu vertreten“

(bt/ea) – Bürgermeister Stefan Erb und Stadtplaner Thomas Egel erteilten auf der Zweckverbandssitzung am Mittwochabend den im Vorfeld veröffentlichten Ideen einer direkten Anbindung des Fliegerhorstes an die A66 eine eindeutige Absage. Zuvor wurde über den aktuellen Stand zur Ansiedlung der Großmetzgerei Wilhem Brandenburg informiert.

Voraussichtlich im März soll es soweit sein. Dann soll der Kaufvertrag zwischen der Firma Brandenburg und des Zweckverbandes Fliegerhorst Langendiebach beurkundet werden. Erst dann ist der Verkauf des 155.000 m2 großen Areals im südwestlichen Teil des Fliegerhorstes rechtsverbindlich abgeschlossen. „Wir werden das Gelände dabei im halbgeräumten Zustand übergeben. Das bedeutet, dass Brandenburg die Abrissarbeiten der dort stehenden Gebäude in Eigenleistung durchführen wird“, erklärte Thomas Müller von Terramag am Mittwochabend auf der Zweckverbandssitzung.

Stolperstein ist aber derzeit noch die fehlende Genehmigung des Regierungspräsidiums Darmstadt. „Die aktuelle Fläche der Firma Brandenburg ist zwar schon vom Regionalverband Rhein-Main zur Umwidmung freigegeben, jedoch fehlt noch die rechtskräftige Umwidmung seitens des Regierungspräsidiums in Darmstadt“, ergänzte Thomas Egel den aktuellen Stand. Hintergrund ist, dass die zum Verkauf stehende Fläche derzeit offiziell noch als Freizeitfläche ausgewiesen ist. Erst durch die Umwidmung seitens des Regierungspräsidiums wird daraus rechtskräftig eine Bebauungsfläche für Logistik und Gewerbe.

Zeit wird in den kommenden Monaten auch die Zauneidechse kosten. Die Art sei laut Thomas Egel in den letzten Jahren durch die fehlende Besiedlung der Housing Area bis in die geplante Fläche für Brandenburg eingewandert. „Das bedeutet für uns nun, dass wir die geschützten Echsen zunächst einfangen und in einer Fläche westlich -im Bereich des alten NATO-Lagers- wieder aussetzen müssen“, so Egel. Der Zweckverband rechnet mit einer Dauer der Umsiedlung von etwa 3 Monaten.

Besondere Aufmerksamkeit wurde an diesem Abend vor allen Dingen auf die verkehrstechnischen Planungen gelegt. Schon im Vorfeld zur gestrigen Sitzungen hatten Ideen über den Anschluss des Fliegerhorstes an die A66 die Runde in den Medien der Region gemacht.

Bürgermeister Stefan Erb und auch Stadtplaner Thomas Egel erteilten diesen Ideen aber eine eindeutige Absage. „Mögliche Verkehrsanbindungen durch den Stadtwald von Bruchköbel oder den Anschluss an die A66, wie sie im Vorfeld in den Raum geschmissen wurde, wären politisch und wirtschaftlich nicht zu vertreten. Ganz abgesehen davon, würden diese Strecken durch jede Art von Schutzgebieten führen, entsprechend aussichtslos wären die Genehmigungsverfahren“, so Egel. Erb gab zudem zu bedenken, dass ein Anschluss an die A66 zwangsläufig über Hanauer Gemarkung führen würde, weshalb sich die Stadt Hanau um alle Verfahren und Baugenehmigungen kümmern müsste. Allerdings dürfte es kein Geheimnis sein, dass die Stadt Hanau über das Gewerbegebiet Fliegerhorst nicht sonderlich glücklich ist.

Stadtplaner Egel führte in seinem Sachstandsbericht noch einmal durch die historische Entwicklung der geplanten Anbindung entlang der Markwaldsiedlung und stellte am Ende den Straßenverlauf vor, der es werden wird. „Wir haben lange an einer Lösung gefeilt. Das Schwierige war, die gegensätzlichen Interessen aus Landschafts-, Hochwasser- und Lärmschutz unter einen Hut zu bekommen“, fasste Egel die neue Straßenanbindung in einem Satz zusammen.

Die geplante Süd-Ost-Anbindung des Fliegerhorstes

Die neue Straßenführung wird möglichst lange auf der bestehenden Straße geführt und dann vor der Markwaldsiedlung nach Nordosten schwenken und um die Siedlung herumführen. „Diese Version stellt auf der einen Seite den minimalsten Eingriff in das dortige Landschaftsschutzgebiet dar, ermöglicht uns aber gleichzeitig den größtmöglichen Lärmschutz für die dortigen Anwohner“, so Egel. Die dafür nötigen 3 Mio. seien es laut Erb dem Zweckverband wert, um die Belastungen für die Anwohner möglichst gering zu halten.

2001 sei die Wohnsiedlung „An der Sandwiese“ in der damals einzigen Zufahrtsstraße zum Fliegerhorst gebaut worden. Damals sei von einem Abzug der Amerikaner noch nichts bekannt gewesen, dennoch wurden dort Häuser gekauft und bezogen, betont Carmen Merz (NFE). Bis zum Abzug der Amerikaner gab es täglich Verkehrslärm, der durch die Renovierungsarbeiten in den letzten Jahren des Fliegerhorstes noch einmal massiv anstieg. Damals beschwerte sich niemand. „Die Aussage, der Zweckverband sei bei der Entwicklung des Fliegerhorstes nicht in die Öffentlichkeit gegangen und die Anwohner nun von der raschen Entwicklung des Gewerbegebietes total überrascht, weise ich entschieden zurück“, so Erb energisch. Der Zweckverband habe alle Planungsunterlagen öffentlich für jedermann ausgelegt und fortwährend in der Presse über die Entwicklung informiert. „Niemand kann also sagen, nichts von der Entwicklung und Planung des Fliegerhorstes gewusst zu haben“, sagte Erb.

Für Zwischenrufe sorgte auch die Thematik der LKW, die immer wieder in die alte, inzwischen geschlossene Zufahrt zum Fliegerhorst in der Markwaldsiedlung einfahren und dort stecken bleiben. Anwohner beschwerten sich in der Sitzung über die Untätigkeit der Stadt Erlensee, dies durch geeignete Beschilderung zu verhindern.

Die NFE-Abgeordnete Carmen Merz hatte eine Anfrage bei Hessen Mobil gestartet und sich zwecks Änderung der Beschilderung erkundigt. Die vorgelegte E-Mail, in der die Stadt Erlensee als für die Beschilderung zuständige Instanz benannt wurde, verdutzte Bürgermeister Erb dennoch. Laut Erb habe gerade Hessen Mobil der Stadt Erlensee eine Änderung der Beschilderung untersagt, weshalb man nun noch einmal mit der Behörde Kontakt aufnehmen werde.

Fotos: Benjamin Thoran

 

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