Anwohner von Erlenseer Stadtverwaltung schwer enttäuscht

(ms/ea) – Anwohner der Markwaldsiedlung und des Wohngebiets „An der Sandwiese“ zeigen sich schwer enttäuscht von der Erlenseer Stadtverwaltung: „Der geplante Bau einer neuen Zufahrtsstraße zum Fliegerhorst zeigt, dass die Erwartung, nach Abzug der Amerikaner langfristig für eine Steigerung der Wohnqualität zu sorgen, nicht erfüllt wird“. Im Gespräch mit Erlensee Aktuell kündigten sie Widerstand an.

Der Zweckverband Fliegerhorst plant, im Südosten des Fliegerhorsts eine weitere Anbindung nördlich der Markwaldsiedlung an die Landesstraße 3193 zu bauen, wobei zunächst die alte Trasse bis zur Markwaldsiedlung genutzt und danach vor dem Wohngebiet „An der Sandwiese“ eine nach Norden verschwenkte neue Straße gebaut werden soll. Die derzeitige Anbindung der Markwaldsiedlung an die L 3193 soll geschlossen und stattdessen das Wohngebiet an die neue Straße angebunden werden. Zwischen dieser und dem Wohngebiet „An der Sandwiese“ ist der Bau eines Immissionsschutzwalls vorgesehen.

Das von der Aufstellung des hierfür notwendigen Bebauungsplanes betroffene Gelände liegt zu ca. 90% in der Planungshoheit der Stadt Erlensee und zu ca. 10 % in der Planungshoheit des Zweckverbandes Fliegerhorst.

In den noch bis 23. Februar öffentlich ausliegenden Plänen heißt es, dass die bestehende Erschließungsachse durch die Markwaldsiedlung aufgrund der zu erwartenden Emissionen dem umliegenden Wohngebiet nicht zuzumuten sei und man daher die neue Trasse benötige.

„Die neue Trasse ist genauso unzumutbar wie die jetzt bestehende“ betont Arnold Notzon und fordert bei den auf sie zukommenden Auswirkungen hinsichtlich Lärm und Luftschadstoffen die Gremien der Stadt Erlensee auf, die begründete Erwartung zu erfüllen, weitere Belastungen der Bevölkerung zu vermeiden.

Damals – nach Abzug der Amerikaner und Beendigung der täglichen Tiefflüge der Hubschrauber – hatten die Bewohner der stark betroffenen Waldsiedlung und des Wohngebiets „An der Sandwiese“ die Hoffnung, dass die Wohnqualität verbessert und „endlich für Ruhe“ gesorgt werde.

In einer Image-Broschüre der Stadt Erlensee heißt es unter dem Titel „Konversion Fliegerhorst“: Es gibt eine Vielzahl von Faktoren, die für ein Unternehmen am Standort Erlensee signifikante Wettbewerbsvorteile bedeuten. Damit haben diese Firmen einen entscheidenden Vorsprung in dieser wirtschaftlich starken Region. Zu diesen Standortvorteilen zählen: Direkter Anschluss an die Bundesautobahn A 66 Frankfurt – Fulda und A 45 Aschaffenburg – Dortmund (Sauerlandlinie). Von dort Anschluss an die Bundesautobahnen A 3 und A 5.

Dieser „direkte Anschluss“ an die A 66 wird auch dringend von den Anwohnern gewünscht und als die einzige Variante einer neuen Zufahrtstrasse zum Fliegerhorst gesehen.

Weiter heißt es in der Broschüre: Mit familiengerecht konzipierten Wohngebieten hat Erlensee in den letzten Jahren ein attraktives Zuhause für junge Familien geschaffen. Dieses Angebot wird auch in Zukunft weiter ausgebaut. „Diese Aussage trifft ja hoffentlich auch auf die bestehenden Wohngebiete zu“, hoffen die Anwohner.

„Doch bei den jetzt bekannt gewordenen Plänen mussten wir leider feststellen, dass diese Hoffnung nicht erfüllt werden soll. Sollte die neue Straße um das Wohngebiet „An der Sandwiese“ herum gebaut werden, wird dieses doch praktisch eingekesselt. Eine von LKW stark befahrene Straße westlich, nördlich und östlich in unmittelbarer Nähe eines Wohngebiets kann doch wohl nicht Ziel einer vernünftigen Verkehrsplanung sein“, kritisiert Andreas Walter.

Auch hält man die Begründung, die derzeitige Anbindung über den Toom-Kreisel sei in Kürze ausgelastet, für genauso wenig stichhaltig wie die Behauptung, in einem Notfall bei einer angenommenen Blockierung dieser einzigen Zufahrt sei der Fliegerhorst nicht mehr zu erreichen.

„Im Notfall öffnet man eben die bereits jetzt bestehende Zufahrt für Rettungsfahrzeuge. Wo soll da das Problem sein?“ fragen sich die betroffenen Anwohner.

Den in den Plänen vorgesehenen Immissionsschutzwall halten sie außerdem für wirkungslos, da die Abgase der LKW bei Westwind, der immerhin zu 75% im Jahr vorherrscht, sowieso über diesen direkt in das Wohngebiet geweht werden. Ob dieser überhaupt realisiert wird, sei ohnehin unsicher, da in einem Telefongespräch mit dem federführenden Planungsbüro Egel mitgeteilt worden sei, dass die Anwohner keinen Rechtsanspruch auf diesen hätten.

Auch bei dem ausliegenden Lärmgutachten gibt es massive Kritik: „Das Gutachten basiert auf einer Verkehrszählung aus dem Jahr 2015, wo große Speditionen und Firmen im Fliegerhosrt noch gar nicht ihren Betrieb aufgenommen haben. Selbst eine angenommene Zunahme des Verkehrs spiegelt weder die gegenwärtige, schon gar nicht die zukünftige Situation wieder. Wir verlangen hier ganz klar ein sogenanntes „Worst Case-Szenario“ zu berücksichtigen. Dabei wird die maximal zu erwartende Verkehrsmenge berechnet und diese hinsichtlich der Umweltauswirkungen beurteilt. Man weiß doch gar nicht, ob die Firma Retro Klassik ihr Grundstück womöglich an Amazon verkauft. Dies alles muss in einem Worst Case-Szenario berücksichtigt werden. Aber selbst ohne Amazon: der Autotransporter-Verkehr des Autokontors ist jetzt schon nicht berücksichtigt“, so Maria Notzon.

Auch der Wegfall der jetzigen Ampelkreuzung an der Zufahrt zur Markwaldsiedlung sei doch nur ein Taschenspielertrick, um einen dann angeblich gleichförmig verlaufenden LKW-Verkehr lärmtechnisch leiser zu bewerten. Doch selbst eine Bedarfsampel für Fußgänger stehe mehrmals am Tag auf Rot, so dass Brems- und Anfahrvorgänge der LKW häufig vorkommen. Diese würden ohnehin zunehmen, da mit der geplanten neuen Anbindung dann drei nur wenige hundert Meter entfernte Ampelkreuzungen stehen: Fußgängerampel Markwaldsiedlung, neue Anbindung hinter dem Wäldchen sowie die bestehende am Aldi-Markt.

„Die Auswirkungen dieses Stop-and-Go-Verkehrs hätten wir auch gerne einmal in einem Gutachten berechnet bekommen“, fordern die empörten Anwohner. „Wir fühlen uns im Stich gelassen und merken, dass die Bewohner – immerhin wohnen hier 185 Familien – keine Lobby haben. Wie sonst könnte man einen gesamten Stadtteil derart ausgrenzen und von einer Zufahrtsstraße zu einem Gewerbepark umzingeln?“

„Man wird den Verdacht nicht los, dass hier in Vertragsverhandlungen mit der Großmetzgerei Brandenburg die Südostanbindung zur Bedingung gemacht wurde, da diese dem Unternehmen täglich einige Fahrkilometer spare, wenn deren LKW nicht die derzeitige Zufahrt nutzen müssten. Wenn Brandenburg ausschließlich Richtung Hanau und Frankfurt fahre, spare eine neue Zufahrt dann erhebliche Kilometer und Zeit ein. Die in den Planungsunterlagen mit lediglich kurzen Begründungen erfolgte Ablehung der Alternativen für eine Trassenführung lässt zudem darauf schließen, dass andere Güter höher bewertet werden als das „Schutzgut Mensch“. Doch man sollte nicht unterschätzen, dass hier auch Wählerinnen und Wähler wohnen, die diese gerade stattfindende Entwicklung sicherlich nicht bis zur nächsten Wahl vergessen werden“, so die Anwohner abschließend.

Weitere Infos in der Amtlichen Bekanntmachung. Die Verfahrensunterlagen können auch unter www.planungsgruppe-egel.de unter dem Link „Beteiligungsverfahren“ heruntergeladen werden.

Auf dem Foto: Vor dem Wäldchen soll die geplante Straße verlaufen

Foto: Privat

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