3.000 Jahre altes Grab im „Limes III“ entdeckt

(pm/ea) 19.05.16 – Bereits die Entdeckungen eines Stein-Wachturms sowie zwei älterer Türme aus Holz im Jahr 2005 im zukünftigen Neubaugebiet von Neuberg-Ravolzhausen waren eine Überraschung, zumal Arbeitsgruben mit Backöfen freigelegt sowie umfangreiche Funde von Scherben, Lanzenspitzen, Schuhen und Urnen aus römischer Zeit sichergestellt wurden.

Doch völlig unerwartet stießen die beauftragten Archäologen jetzt im Baugebiet „Limes III“ auf ein rund 3.000 Jahre altes Grab der Bronzezeit.

In einer aus Steinen gebildeten Kammer hatten die Experten die Überreste eines Skeletts, Bronzeschmuck, ein Messer und Keramikgefäße freigelegt und geborgen. Diese Funde sind damit rund 1.000 Jahre älter, als die Belege aus der Zeit der Römer.

„Die wertvollen Beigaben wie Ring und Gewandnadel verraten, dass die hier bestattete Person zu Lebzeiten eine bedeutende Persönlichkeit gewesen sein muss“, erläuterte Kreisarchäologe Claus Bergmann. Dies zeige sich auch in einer aufwendig gestalteten steinernen Grabkammer.

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Wie Bergmann berichtete, hatte man in der Region gelegentlich auch schon in früheren Jahren solche reichen Bestattungen entdeckt und geborgen. Diese Gräber wurden aber vielfach bereits in der Antike beraubt oder konnten nicht sorgfältig genug ausgegraben werden. Nun aber ist  – nicht zuletzt durch die finanzielle Unterstützung der Gemeinde Neuberg – ein gut erhaltenes Steinkammgrab der Bronzezeit gründlich dokumentiert und geborgen worden.

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Eine Zuordnung zu einer Bevölkerungsgruppe sei laut Bergmann für dieses Zeitalter sehr schwierig. Allerdings könne man davon ausgehen, dass die hier gefundene Person in näherer Umgebung „zu Hause gewesen sein muss“. Eine entsprechende Siedlung sei hier geschichtlich allerdings noch nicht belegt.

Die archäologischen Untersuchungen in dem künftigen Baugebiet „Limes III“ haben erneut gezeigt, wie wichtig eine sorgfältige Bearbeitung ist. Denn neben den Resten einer Körperbestattung, beobachteten die Ausgräber auch Spuren verbrannter Knochen am Rande der Grabkammer. Noch sei unklar, ob es sich um verbrannte Teile eines Tieres oder gar die Überreste eines weiteren Menschen handelt. Laboruntersuchungen werden dieses Rätsel hoffentlich bald auflösen können, hofft der Kreisarchäologe.

Bereits im Sommer 2003 wurden östlich von Langenselbold im Rahmen einer umfangreichen Grabung interessante Zeugnisse aus einer früheren Periode der Bronzezeit geborgen. Hier deuteten zahlreiche Scherben, Hüttenlehm und Spuren von Holzkohle auf eine Siedlung hin. Vor rund fünf Jahren wurde im gleichen Gebiet im Gründautal zudem ein Grabhügelfeld auf dem Rödelberg teilweise freigelegt und ausgewertet.

Auf dem Titelfoto: Anke Weber (Sascha Piffko Archäologische Untersuchungen – SPAU) erläutert den anwesenden Pressevertretern den außergewöhnlichen Fund

(Fotos: Markus Sommerfeld)

 

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